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Dein geliebtes Dörflein Mühlen …

Sand in Taufers – Ein emotionaler Moment der ergreifenden Beerdigungsfeier in der Pfarrkirche von Taufers war das eigens umgeschriebene „Tauferer Lied“.

Am 28. Jänner wurde in Sand in Taufers Siegfried Steger, der letzte noch lebende der vier Puschtra Buibm, beerdigt. Beim Gottesdienst erklang das „Tauferer Lied“, vorgetragen vom Komponisten Peter Oberhollenzer und einigen Mitgliedern der Mühlener Musikkapelle. Einige Worte der letzten Strophe des Liedes wurden von Oberhollenzer, so wie schon 2025 zur Beerdigung von Sepp Forer, eigens für die Beerdigung umgeschrieben. Doch was hat es auf sich, mit dieser kleinen Tauferer Hymne?

Ein nicht enden wollender Trauerzug begleitete Siegfried Steger auf seinem letzten irdischen Weg von seinem Heimatdorf Mühlen zur Beisetzung im Friedhof von Sand in Taufers.

Am Stephanstag 1967 hatten die Brüder Peter, Hans und Franz Oberhollenzer, Josef Prenn und Karl Oberhollenzer mit den „Lustigen Tauferern“ den ersten Auftritt. Die Gruppe hatte Erfolg. Auch David Oberhollenzer, selbst Musikant, erfuhr davon, im Gefängnis von Bozen, wo er nach der im Frühling 1967 erfolgten Verhaftungswelle in Mühlen wegen der Sprengung des Alpinidenkmals in Bruneck, einsaß. Dort schieb er die Textvorlage für das spätere Tauferer Lied. Alleine und weit weg von daheim beschrieb er darin das Heimweh nach seinem Heimatdorf Mühlen. In präparierten Schuhen wurden Oberhollenzers Briefe in denen er schlimme Folterungen beschreibt, und auch der spätere Liedtext, aus dem Gefängnis geschmuggelt.
Peter Oberhollenzer setzte sich in die Stube beim Zechnter-Hof in Mühlen und er begann bis in die frühen Morgenstunden die Melodie zu David Oberhollenzers Textvorlage zu komponieren. „Fis-Dur ist eine weiche Tonart und die kam mir passend für diesen Text vor“, sagt Oberhollenzer. Im Sommer 1968 wurde das Lied dann bei einer Hochzeit erstmals aufgeführt. David Oberhollenzer selbst musste noch vier Jahre warten, bis er, aus dem Gefängnis zurückgekehrt, die endgültige Fassung „seines Liedes“ anhören konnte. Am 27. Juli 1971 wurde das Lied im Bavaria-Studio in München auf der ersten Schallplatte der „Lustigen Tauferer“ aufgenommen. 2010 hat die Musikkapelle Mühlen als besonderen Höhepunkt ihres Frühjahrskonzertes die Uraufführung des Liedes in der Bearbeitung für Blasorchester von Stefan Zöschg gespielt. Auch fast 60 Jahre nach seiner Erstaufführung wird das Lied immer noch gern gespielt und so war es auch ein besonders emotionaler Moment bei der Beerdigung Siegfried Stegers.

Das Tauferer Lied
Von der Natur, so schön geschaffen
Umrahmt von Bergen überall
Wo an den Hägen Höfe wachen,
dort liegt mein schönes Taufrer Tal.

Wo Gletscher aus der Ferne grüßen
Schloss Taufers träumt in stolzer Ruh
Und rauschend fließt durch Wald und
Wiesen die Ahr dem Städtchen Bruneck zu.

Wenn sonntags hell, die Glocken klingen
über dem Tal die Sonne lacht
Ruhen die grünen weiten Wiesen
von Gott erschaffen voller Pracht.

Oh du geliebtes Dörflein Mühlen;
es war ja doch dein Heimatort.
Noch einmal wollen wir dich grüßen,
vergess’n dich nie für immerfort.
TM