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Mut zur Transparenz

Seit neun Monaten lenkt Lukas Schnarf die Geschicke der Gemeinde Olang. Im Gespräch mit dem Puschtra Magazin zieht der selbständige Geometer eine erste Bilanz über den Spagat zwischen Beruf und Rathaus, erklärt seinen Plan für ein modernes Personalwesen und verrät, warum Transparenz für ihn eines der wichtigsten Werkzeuge seiner Politik ist.

Herr Lukas Schnarf, haben Sie sich in den vergangenen neun Monaten gut ins Amt des Bürgermeisters der Gemeinde Olang eingelebt?
Lukas Schnarf: Ja, eigentlich habe ich mich gut eingelebt. Auch wenn mein neues Amt sehr zeitintensiv ist, ist es eine tolle Arbeit, bei der ich viel mitgestalten kann. In Summe ist es in etwa so, wie ich es mir vorgestellt habe.

Sie waren bereits fünf Jahre lang als Gemeinderat tätig und damit voll ins Gemeindegeschehen integriert. Beruflich sind Sie als Geometer tätig, zudem werden viele Fragen und Anliegen an Sie als Bürgermeister herangetragen. Wie gelingt es Ihnen Politik und Beruf bestmöglich zu vereinbaren?
Da es mir schon immer wichtig war, gut vorbereitet zu sein, habe ich bereits vor meinem Bürgermeister-Dasein viel Zeit in die Gemeindearbeit investiert. Der Schritt vom Gemeinderat zum Bürgermeister hat also nicht sehr viel verändert, außer dass die Intensität gesteigert wurde. Der Spagat zwischen meinem Beruf und dem Amt gelingt zurzeit noch nicht so, wie ich es mir wünsche – meine Kunden könnten wahrscheinlich ein Lied davon singen… Doch ich arbeite daran, besonders auch an der Kunst, Prioritäten richtig zu setzen.

Inwiefern haben sich Ihr Alltag und Ihr Leben verändert, seitdem Sie im Mai 2025 die Funktion des Bürgermeisters übernommen haben?
Es fällt schon auf, dass man als Bürgermeister von seinen Mitmenschen deutlicher wahrgenommen und öfter angesprochen wird. Mir ist aber auch völlig bewusst, dass das dem Amt geschuldet ist, weil man klarerweise erste Ansprechperson in vielen Belangen ist. Nichtsdestotrotz ist mir trotz vollem Terminkalender meine Privatsphäre geblieben.

Sie werden als verantwortungsbewusst, innovationsfreudig und kommunikativ beschrieben. Welche weiteren Eigenschaften helfen Ihnen, die konstruktive Zusammenarbeit mit allen Gemeindegremien voranzutreiben?
Ich schätze, dass es mein persönlicher Wunsch nach Transparenz und sachlicher Informationsvermittlung ist, den auch meine Mitarbeiter:innen und die Bürger:innen zu schätzen wissen. Schon als ehemals Verantwortlicher für die Olanger Gemeindezeitschrift war es mir sehr wichtig, die Leser:innen über die Gemeindebelange möglichst gut zu informieren, weshalb mir auch weiterhin die verschiedenen Medien und der Whatsapp-Kanal als schnelle und klare Informationsübermittlung ein Anliegen sind. Das beugt Missverständnissen und Unmut vor, finde ich. Darüber hinaus finde ich eine gewisse Netzwerkfähigkeit und eine starke Präsenz unerlässlich, um gut zusammenarbeiten zu können.

Haben Sie bereits eine bestimmte Strategie entwickelt, die Gemeinde zu führen?
Naja, wir sind gerade dabei, uns eine Art Fahrplan zurechtzulegen, also eine verschriftliche Leitlinie für Gemeindeausschuss und Gemeinderat, aus dem klar ersichtlich wird, wer wofür in den kommenden etwas mehr als vier Jahren zuständig ist. Das Personalwesen liegt uns dabei sehr am Herzen, und es wäre mein Wunsch, dass es uns gelingt, die positive Stimmung aus dem Gemeindeausschuss auf alle Mitarbeiter:innen zu übertragen.

Mit den aktuellen Fragen zu Olympia, Over-Tourism, Beruhigung der Pustertaler Straße, Urbanistik, Ausverkauf der Heimat, Sicherheit usw. werden Sie tagtäglich mit dringenden Themen konfrontiert…
In der Tat. Allerdings bin ich mit diesen eher überregionalen Themen eher punktuell gefordert, sie halten sich also in Grenzen. Olympia war natürlich wochenlang Alltag bestimmend, wir mussten uns mit Auffangparkplätzen, Verkehrsaufkommen, Shuttlediensten immer wieder anpassen und haben das von Tag zu Tag besser hinbekommen. Da war immer wieder schnelles Reagieren nötig, aber wie ich das sehe, haben wir uns diesbezüglich von unserer besten Seite gezeigt.

Welche weiteren, speziell auf Olang bezogenen Themen stehen aktuell für den Gemeinderat an?
Da gibt es so einiges, das ansteht. Zum Beispiel stehen wir gerade kurz vor dem Abschluss des Gemeindeentwicklungsprogramms, das es im Sommer zu genehmigen gilt. Genauso wie der Gefahrenzonenplan, dessen letzter Entwurf noch genau unter die Lupe zu nehmen ist. Ein weiteres Anliegen der Bevölkerung ist das alte Gemeindehaus, das seit bereits 18 Jahren leer steht und dessen definitive Nutzung abgeklärt werden soll. Ein anderes Thema ist die Mittelschule von Olang, die in den 1980er-Jahren erbaut wurde und deshalb dringen energetisch auf den neuesten Stand gebracht werden sollte.

Und zum Schluss: Welche persönlichen Ziele setzen Sie sich als Bürgermeister?
Mir ist klar, dass man es nie allen recht machen kann. Aber was ich tatsächlich erreichen möchte, ist, dass ich meine Ziele und Perspektiven vor der Wahl nun in meiner Amtszeit nicht über das intensive Alltagsgeschehen vergesse und weiterhin dranhalte. Ich möchte Weichen für die Zukunft stellen, und da das viel Zeit benötigt, habe ich mir vorgenommen, mit der Planung dafür früh genug zu beginnen

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Lukas Schnarf!
SH