
Im Dezember 2024 wurden die Arbeiten zur Modernisierung der Biogasanlage begonnen, Anfang 2026 konnte das nun hochmoderne Werk in Betrieb genommen werden. Unter der Leitung des geschäftsführenden Obmanns Viktor Wierer mit seinem Team wurde die bestehende Anlage umfassend erweitert und modernisiert. Die Zielvorgaben für das Projekt: die Effizienz der Anlage zu steigern und den Übergang von der klassischen Stromproduktion hin zur Erzeugung von Biomethan (Bioerdgas) zu vollziehen.
Die ursprüngliche Anlage, die bereits seit 2008 in Betrieb ist, wurde zur Produktion elektrischer Energie genutzt. In den folgenden Jahren erkannte die Genossenschaft, dass eine Weiterentwicklung notwendig sein würde, um langfristig produktiv und nachhaltig zu bleiben. Konkreten Auftrieb erhielt das Projekt schließlich durch das italienische Ministerialdekret vom 15. September 2022, das klare Rahmenbedingungen für die Einspeisung von Biomethan in das Erdgasnetz definierte. Obwohl erste Überlegungen für das Projekt bereits 2019 bestanden, wurde mit dem tatsächlichen Start bewusst abgewartet, um den optimalen Zeitpunkt für die Umsetzung zu nutzen.

Nachhaltig & hocheffizient
Ein wesentliches Merkmal der Anlage ist ihre Ausrichtung auf Nachhaltigkeit. Im Gegensatz zu vielen Biogasanlagen im Ausland wird bewusst auf den Einsatz von Gras- oder Maissilagen verzichtet. Stattdessen basiert die Produktion zu über 90 Prozent auf Gülle, Mist und Jauche aus der heimischen Landwirtschaft. Diese Substrate sind zwar vergleichsweise energiearm, bieten aber eine stabile Grundlage für die biologischen Prozesse in der Biogasanlage. Ergänzt wird dieser Anteil mit pflanzlichen Reststoffen aus der Lebensmittelproduktion, darunter Kartoffeln und Rote Beete, die für den Verkauf ungeeignet sind.
Das Grundprinzip der Anlage ist vergleichsweise einfach: Die täglich eingebrachten Substrate – zwischen 150 und 200 Tonnen – dienen als Nährstoffquelle für Mikroorganismen. Diese Bakterien zersetzen das organische Material und produzieren dabei Biogas. Dieses Rohgas wird anschließend in einer modernen Aufbereitungsanlage gereinigt und durch Membrane gefiltert. Ziel dieses sogenannten „Upgrading“-Prozesses ist es, den Methangehalt von etwa 55 Prozent auf mindestens 98 Prozent zu erhöhen. Gleichzeitig werden unerwünschte Bestandteile wie Kohlendioxid, Schwefelwasserstoff und Ammoniak entfernt. Das Ergebnis ist Biomethan, das direkt in das öffentliche Gasnetz eingespeist wird. Kommerziell nutzt Dolomites Milk (Loacker) in Vintl das Biomethan um seine Produktion nachhaltiger zu gestalten.
Mit der Erweiterung wurden mehrere zentrale Anlagenteile neu errichtet oder ausgebaut. Dazu zählen insbesondere eine Gasreinigungseinheit zur Aufbereitung des Biogases, ein erweitertes Gärrestelager sowie eine Anlage zur Eigenenergieversorgung. Letztere umfasst ein Blockheizkraftwerk mit einer Leistung von 250 kW, eine Photovoltaikanlage mit 210 kW sowie eine Hackschnitzelanlage mit 450 kW thermischer Leistung. Diese wurde notwendig, da im Zuge der Umstellung auf Biomethanproduktion keine überschüssige Abwärme mehr zur Verfügung steht. Während früher bei der Stromproduktion automatisch Wärme anfiel, wird diese nun gezielt erzeugt, um die Fermente auf Betriebstemperatur zu halten.

Lorenzen als Vorreiter
Eine besondere Herausforderung während der Projektphase stellten die sich ständig ändernden gesetzlichen Rahmenbedingungen dar. Diese erforderten ein hohes Maß an Flexibilität und Anpassungsfähigkeit seitens der Betreiber. Zudem gab es in Italien nur wenige vergleichbare Anlagen, wodurch es an Referenzprojekten mangelte. Dennoch konnte die Erweiterung erfolgreich umgesetzt werden, sodass die Anlage mittlerweile nahezu im Vollbetrieb läuft. Ein weiterer zentraler Bestandteil des Systems ist die Verwertung der sogenannten Gärreste, sprich der vergorenen Gülle. Diese wird den Mitgliedern der Genossenschaft wieder zur Verfügung gestellt. Die Verteilung erfolgt über spezielle betriebseigene Maschinen, die mit Injektionstechnik die Gülle gezielt in den Boden einbringen, sodass sehr geringe Emissionen entstehen. Die Gärreste gelten als hochwertiger Dünger, da die darin enthaltenen Nährstoffe für Pflanzen leichter verfügbar sind und gleichzeitig deutlich geruchsärmer sind als unbehandelte Gülle.
Für die Zukunft
Die Anlage leistet auch einen Beitrag zum Klimaschutz. Durch den hohen Anteil an Wirtschaftsdüngern wird kalkulatorisch nicht nur eine CO₂-neutrale, sondern sogar eine CO₂-negative Bilanz erreicht. Dies bedeutet, dass insgesamt mehr Treibhausgase eingespart als verursacht werden. Dieser Aspekt spielte auch bei der jüngsten Zertifizierung eine entscheidende Rolle.
Mit Blick auf die Zukunft plant die Genossenschaft weitere Optimierungen. Angedacht wird unter anderem der Bau eines zusätzlichen Feldlagers, um Logistik und Kapazitäten weiter zu verbessern. Die Bioenergie-Genossenschaft möchte künftig auch eine Vorreiterrolle einnehmen.
So setzt sie sich dafür ein, emissionsmindernde Technologien – etwa spezielle Ausbringungsmaschinen für Gärreste – stärker zu fördern und als Standard in der Landwirtschaft zu etablieren. Die Erweiterung der Biomethananlage in St. Lorenzen ist ein gutes Beispiel dafür, wie durch gezielte Investitionen, innovative Technik und konsequente Nachhaltigkeitsstrategien ein zukunftsfähiges lokales Energiesystem geschaffen werden kann.
RF