

Sand in Taufers – Im Juni 1926 wurde die erste Apotheke im Tauferer Ahrntal eröffnet. Sie war eine der ersten im gesamten Pustertal.
Vor 100 Jahren eröffnete Anton Liensberger (1895-1976) die erste Apotheke in Sand in Taufers, wir gedenken heuer seines 50. Todestages. Der gebürtige Brunecker studierte an der Uni Innsbruck Pharmazie. Als nach seiner Anstellung in Meran eine Apotheke für Sand in Taufers ausgeschrieben worden war, erhielt Liensberger den Zuschlag. Mit seiner Frau, Emilie Klaus aus Bozen, zog er nach Sand und eröffnete im Juni 1926 im damaligen alten Gerichtsgebäude die Apotheke. Bald darauf erwarb er ein Haus in der Jungmannstraße und baute das Untergeschoß zur Apotheke aus. Die Zeit im Faschismus war schwierig, auch kamen kaum Touristen und es ist überliefert, dass Liensberger in diesem Sommer anno 26, weinend vor seiner Apotheke stand, weil so wenig Umsatz war. Beteiligt war er später an einer Silberfuchs-Farm in Mühlwald und an einem pharmazeutischen Betrieb in Meran. In der Zeit der Operationszone Alpenvorland fungierte er von 1943-1945 für die deutsche Besatzung als kommissarischer Bürgermeister von Sand.

Nachfolge Familie Aichner
Anton und Emilie Liensberger blieben kinderlos und suchten 1957 eine Nachfolge. Georg Aichner (1929-2020) aus Niederrasen war damals in der Apotheke Sterzing angestellt und interessierte sich für Sand, konnte aber wegen einer längeren Kündigungsfrist nicht gleich nach Sand kommen. Seine Frau Hedwig (1928-2025), die Apothekerin in Kufstein war, konnte sich jedoch dort freimachen und zog zur Arbeit nach Sand. Allerdings sprach sie als gebürtige Österreicherin nicht Italienisch. „Das ist kein Problem“, meinte Liensberger, „ich rede und Sie arbeiten.“ Und so war es auch. Im Herbst folgte dann auch Georg Aichner nach Sand. Die alten Rezept-Register gibt es noch. In einem ist z. B. vermerkt, dass 1943 Heroin als Schmerzmittel verschrieben wurde. Es gibt historische Formeln aus den Anfangsjahren, nach denen im Apotheken-Labor bis heute Arzneien hergestellt werden wie der bewährte Wintergrünöl-Balsam gegen Rheuma.
Die 2. Generation Aichner
1964 kam Johannes Aichner zu Welt. Er liebte es schon als Volkschüler, nachmittags nach der Schule in der Apotheke seines Vaters zu sein. Stolz klebte er Etiketten auf Fläschchen oder Tiegel und schnupperte sehr früh Apothekerluft. So lag es nahe, dass auch er sich für das Pharmaziestudium entschied, genauso wie übrigens sein älterer Bruder Jörg, der Apotheker in Klausen ist. 1991 nach dem Studium arbeitete Johannes bei seinem Vater, bis er 1996 – also vor 30 Jahren – die Leitung der Apotheke übernahm. Seit 2012 gibt es auch die Arzneimittelausgabestelle in Mühlen in Taufers. Hier werden sämtliche Medikamente angeboten, außer jene, die ins Suchtgiftregister fallen. Im Jahr 2017 wurde auch die Apotheke in Luttach übernommen, welche von Christine, der Frau von Johannes, geführt wird. Auch Christine Waibl ist Pharmazeutin und stammt aus einer Apothekerfamilie aus Matrei in Osttirol.
Die jüngste Generation
Familie Aichner wird in dritter Generation die Sandner Apotheke weiterführen: Sohn Georg Junior hat ebenso das Pharmaziestudium absolviert und arbeitet seit 4 Jahren bei seinem Vater. „Es ist für mich spannend, nach der Übernahme von meinem Vater Georg, nun erneut den Generationenwechsel an meinen Sohn Georg vorzubereiten“, freut sich Johannes. Was sich ebenso wie ein roter Faden durch die Geschichte der Apotheke zieht, ist die Liebe zu den Bergen: Anton Liensberger war von 1951-54 Vorsitzender der Alpenvereinssektion Sand in Taufers, Senior Georg Aichner ist bis ins hohe Alter gewandert, Johannes trifft man auf den Gipfeln, seine Frau Christine ist eine begeisterte Kletterin und Skitourengeherin. Und für Georg Junior ist das Balancieren auf Highlines oder am Fels des El Capitan im Yosemite-Tal ein prickelnder Nervenkitzel.
Was sich geändert hat
Johannes blickt auf 50 Jahre Apothekerleben: „Ich erinnere mich, wie mich als Bub mein Vater abends zum Busbahnhof schickte, einen Karton Medikamente abzuholen, der nach telefonischer Bestellung täglich von Bozen kam. Oder auch nicht. Heute werden uns täglich zwei Lieferungen direkt zugestellt mit einem Vielfachem an Ware und Sortiment.“ Eine einschneidende Veränderung ergab ab 1992 die digitale Umstellung für Bestellungen, Registrierungen, Abrechnungen usw. Und 2006 ist der Betrieb in die Ahrntaler Straße 21 neben dem Busbahnhof umgezogen. Der Jubiläen aber nicht genug: Die Mitarbeiterin Irmgard Kirchler arbeitet seit 40 Jahren in der Apotheke Sand.
Geändert hat sich auch das Gesundheitsbewusstsein. „Mein Vater erzählte, dass Patienten ihn fragten, und zwar nicht, ob eine Arznei helfe, sondern ob sie wohl nicht schaden würde“ erinnert sich Johannes. „Das Erfreuliche an meiner Arbeit ist, dass ich vielen Menschen helfen kann, dass durch die Pharmazie die Lebenserwartung enorm gestiegen ist und dass die Entwicklung und Forschung ständig weitergehen – aber kein Medikament wird bei allen Patienten zu 100 Prozent wirksam sein können, dazu sind wir Menschen zu unterschiedlich.“
IB
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