

Sonja Hartner – 19 Jahre am Puls von Sprache, Geschichte & Kultur.
Niemand hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Stadtbibliothek von Bruneck so stark geprägt wie sie: Sonja Hartner, Amtsdirektorin des Amtes Stadtbibliothek und Stadtarchiv, ist mit Anfang dieses Jahres in den Ruhestand getreten. Dennoch bleiben ihr die Kultur, das Lesen und vor allem die Menschen ein großes Anliegen.
Sonja Hartner, 20 Jahre waren Sie als Oberschul-Lehrperson für Deutsch und Latein sowie im Pädagogischen Institut tätig, bevor Sie in die Leitung der Stadtbibliothek gewechselt haben. Was hat Sie vor 19 Jahren zu diesem Schritt bewogen?
Sonja Hartner: Eigentlich ist dieser Berufswechsel damals ganz unerwartet gekommen. Ich wurde von der damaligen Stadträtin Brigitte Pezzei gefragt, ob ich Interesse für diesen Job hätte. Nachdem ich immer schon eine begeisterte Bibliotheksbesucherin – und sogar eine der ersten Nutzerinnen – der Stadtbibliothek Bruneck gewesen war, schien mir das Angebot verlockend. Schließlich dachte ich mir ‘Wenn nicht jetzt, dann nie‘ und sagte trotz eines gewissen Risikos, da ich eine befristete Anstellung gegen eine unbefristete austauschte, zu.
Wenn Sie an Ihre ersten Arbeitstage in der damaligen Stadtbibliothek zurückdenken: Was hat sich im Vergleich zu heute am radikalsten verändert?
Es hat sich vieles grundlegend verändert in dieser Zeit und das schneller, als ich anfangs angenommen hatte. Zum einen denke ich an den Wandel im technologischen Bereich. Es ist unglaublich, wie viel sich in dieser Hinsicht getan hat, von der Weiterentwicklung der Softwareprogramme über die automatisierte Ausleihe und Rückgabe bis hin zum Web-Katalog, um nur einige der Fortschritte zu nennen. Zum anderen denke ich natürlich an die räumliche Veränderung durch den Neubau der Stadtbibliothek. Auch dies war ein Wendepunkt und hat zahlreiche neue Möglichkeiten eröffnet. Vor allem ist die Stadtbibliothek seitdem in der Wahrnehmung der Menschen eine völlig andere geworden.
Auf welches Projekt der Stadtbibliothek oder des Stadtarchivs blicken Sie heute mit großem Stolz zurück?
Das lässt sich nicht auf ein spezielles Projekt herunterbrechen. Es war grundsätzlich so, dass das, was mir an meiner Arbeit am meisten Freude bereitet hat, das gemeinsame Ausarbeiten von Projekten war. Ich mochte diesen kreativen Teil meiner Arbeit sehr und bin stolz darauf, was uns als Team alles gelungen ist und was wir damit vorangebracht haben.
Als Amtsleiterin des Amtes Stadtbibliothek und Stadtarchiv haben Sie mit verschiedenen Teams gearbeitet. Was war Ihr Erfolgsgeheimnis, damit das Miteinander im Arbeitsalltag gelingt?
Ich habe immer nach dem Grundsatz ‘Fördern und Fordern‘ gearbeitet. Mir war es wichtig, Mitarbeiter:innen zu unterstützen, aber auch zu fordern. Dabei habe ich immer auf ihre Stärken gesetzt und genügend Entwicklungsmöglichkeiten, aber auch Freiräume geschaffen, um eine gewisse Balance herstellen zu können.
Bibliotheken sind weit mehr als nur Orte für Bücher. Wie haben Sie die Entwicklung zum ‚Dritten Ort‘ – also zum Wohnzimmer der Stadt – in Ihrer Amtszeit vorangetrieben?
Eigentlich ziehe ich es vor, die Stadtbibliothek als sozialen Ort zu bezeichnen. Hier können sich Menschen verschiedener Herkunft, verschiedener Sprachen und Ethnien, aber vor allem auch verschiedener Ansichten und Meinungen begegnen und austauschen – frei von Polarisierung und außerhalb der ‘Blase‘, in der wir uns sonst bewegen. Eine Bibliothek hat die Funktion, Menschen einander näherzubringen, und analoge Orte wie dieser werden auch in Zukunft immer wichtiger werden.
Was war die größte Herausforderung in Ihrer Amtszeit, und was haben Sie daraus gelernt?
Das war wahrscheinlich die Gestaltung des Neubaus. Als Team durften wir bereits in der Projektierungsphase viel mitreden, Ideen einbringen und mitgestalten. Dieses Thema beschäftigte uns einige Jahre und das gesamte Team ist an dieser Herausforderung gewachsen und vielleicht sogar zusammengewachsen.
Wenn Sie einen Wunsch frei hätten für die Zukunft dieses Amtes: In welcher Hinsicht sollte sich dieses im nächsten Jahrzehnt weiterentwickeln?
Dass die Stadtbibliothek auch weiterhin von möglichst vielen Nutzer:innen besucht wird und dass die öffentlichen Mittel auch weiterhin so eingesetzt werden, dass sie für die Allgemeinheit den größtmöglichen Nutzen bringen.
Was wird Ihnen am meisten fehlen: der Duft der Bücher bzw. des Archivs, der Trubel bei Veranstaltungen oder der Austausch mit Kulturinteressierten?
Ganz allgemein das Gefühl, von vielen Menschen verschiedenster Hintergründe umgeben zu sein, die etwas Sinnvolles tun, das wird mir vermutlich fehlen.
Wird man Sie auch in Zukunft in der LibriKa oder im Stadtarchiv antreffen? Vielleicht ganz entspannt als Besucherin?
Mit Sicherheit. Ich bin und bleibe eine begeisterte Bibliotheksnutzerin und Kulturinteressierte.
Sonja Hartner, vielen Dank für das Gespräch und alles Gute!
SH
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