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Bergbauernpreise gehen ins Pustertal

Bei der 79. Jahreshauptversammlung des Bauernbundes wurden drei Bergbauern für ihren mustergültigen Einsatz ausgezeichnet. Zwei Preise gingen diesmal ins Pustertal.

Familie Berger
In Ahornach betreibt die Familie Berger den sonnenreichen Oberrieserhof, der 1780 erstmals dokumentiert ist. Auf dem Hof leben Christian und Ingrid mit ihren Kindern Anna, Leo und Lena sowie Christians älteste Schwester Erika und Vater Franz. Mit 25 Jahren übernahm Christian den Hof – dies war für ihn als einzigen Bub irgendwie vorbestimmt und auch selbstverständlich. Zunächst arbeitete er als Maschinenschlosser in einer Brunecker Fabrik. Als der Vater zusehends gebrechlicher wurde, entschied sich Familie Berger gemeinsam, den Hof in Vollerwerb zu bewirtschaften. Ingrid arbeitet jetzt in Teilzeit. „Ohne Nebenerwerb ist nämlich ein Hof kaum mehr zu betreiben“, sagt Christian. Wichtig ist ihm ein moderner Maschinenpark, der die Arbeit erleichtert, für Arbeitssicherheit sorgt, aber halt auch kostenintensiv ist. Zum Hof gehören 18 ha Wald, den Christian mit der Hilfe seines Schwiegervaters vorwiegend selbst bewirtschaftet.
Christian betreibt konventionelle Milchwirtschaft mit 15 Milchkühen und einigen Jungtieren. Zur Landwirtschaft gehören 5,5 ha Wiese und 2 ha Pachtfläche, die dank Meliorierung gut mit Maschinen bearbeitet werden können. Der Stall ist als Kombinationsstall ausgestattet, was bedeutet, dass sich die Tiere in der Trockenphase im Laufstall frei bewegen können.
Ein Teil der Kühe verbringen den Sommer auf einer Interessentschafts-Alm im Arvental in Osttirol. Bei der Heumahd helfen Verwandte mit. „Auch wenn die Arbeit in der Hitze anstrengend ist, freut es mich, nach getaner Arbeit das Ergebnis zu sehen“, sagt Ingrid. Weiters übernimmt sie die Büroarbeit am Oberrieserhof.
„Es wird immer aufwändiger, auch wenn sich vieles online umsetzen lässt“, erklärt sie, „aber ich frage mich schon, wie es ältere Generationen bewerkstelligen, die mit den digitalen Medien nicht so vertraut sind.“

Der Bergbauernpreis
„Der Preis ehrt mich wirklich sehr, es ist eine Bestätigung, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben“, freut sich Christian. „Unser Betrieb hängt vom Milchpreis ab, ich hoffe, er bleibt auch in Zukunft halbwegs stabil, denn sonst kann es für uns Milchbauern Probleme geben. Mein großer Dank gilt meiner Familie, meinem Vater, Schwiegervater und meinen Geschwistern, die mich bei der Arbeit fest unterstützen, ohne sie würde ich vieles nicht schaffen.“

Familie Volgger
Den Bergbauernpreis erhielt auch die Familie Volgger vom Eggerhof in Pfunders. Der aus dem 14. Jahrhundert stammende Erbhof auf 1.350 m Meereshöhe ist seit dem 17. Jh. in Familienbesitz. Bewirtschaftet wird er von Jungbauer Andreas Volgger und Partnerin Lena, auch seine Eltern Lea und Josef leben und arbeiten am Hof. Andreas hat 2018 den Hof übernommen und betreibt ihn als Vollerwerbsbauer mit Milchwirtschaft, rund 25 Milchkühen und Nachzucht. Lena arbeitet in Teilzeit als Kinderphysiotherapeutin. Moderne Stalltechnik sichert das Tierwohl: 2024 wurde der Anbindestall zu einem Laufstall bzw. Kompoststall umgebaut und ermöglicht den Tieren eine freie Liegefläche mit viel Platz. Zwei Photovoltaikanlagen mit Speicher bedeuten übers Jahr gerechnet Stromautarkie. Zum Hof gehören auch 35 ha Wald, der Großteil ist aber wegen seiner Steilheit nicht erschlossen.

Sommer auf Alm
Anfang Juni wird das gesamte Vieh auf die eigene Bodenalm auf 1.700 m gebracht. Schwester Mathilde betreibt dort den dazugehörenden Ausschank. Die 80 ha große Alm wird im Sommer durch ein eigenes E-Werk energetisch versorgt, im Winter ist das E-Werk außer Betrieb. Mitte Juli geht das Vieh auf die Hochalm auf 2.000 m, dort verarbeitet Andreas‘ Mutter die Milch zu Butter und Käse. Bis Anfang September sind die Tiere auf der Hochalm, danach wieder auf der Bodenalm; Mitte Oktober wird dann das gesamte Vieh zurück auf den Eggerhof gebracht.
Herausfordernd ist die Heumahd, da die 21 ha Wiesen verstreut auf 1.300 bis 2.000 m liegen und teilweise sehr steil sind, einiges muss noch mit der Sense gemäht werden. Die Lage direkt am Alpenhauptkamm erschwert durch häufige Niederschläge das Trocknen des Heus. Der Klimawandel mit vermehrten Wetterkapriolen macht sich bemerkbar, die stabilen Wetterphasen für das
Einbringen des Heus sind im Vergleich zu früher weniger geworden. Da ist Eile geboten, es braucht jede helfende Hand von Geschwistern, Eltern und Verwandten.

Zukunft als Bauer
Andreas Volgger sieht in der Auszeichnung des Bergbauernpreises eine Wertschätzung seines Einsatzes. „Unsere Zukunft hängt vom Milchpreis ab“, sagt er, „ohne Förderungen wäre die Bergbauernlandwirtschaft in dieser Form nicht möglich. Sie ist nie planbar und wird stark beeinflusst von Wetter, Ernte und Milchpreis. Wir liefern seit 10 Jahren Heumilch, sie wird etwas mehr honoriert und passt zu unserem Betriebskonzept.“ Andreas Volgger ist ein Landwirt mit Leib und Seele, auch im Ortsausschuss des Bauernbundes und bei der Viehversicherung ist er tätig.
IB