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Roboter zur Brandbekämpfung

Südtirol – In der Brandbekämpfung übernehmen Roboter mit speziellen Löschturbinen immer erfolgreicher schwierige Einsätze. Wir sprachen mit Martin Eppacher, dem Geschäftsführer der Herstellerfirma.

Herr Eppacher, Sie sind Geschäftsführer der Firma EmiControls aus Bozen, welche sowohl ferngesteuerte als auch vollautomatische Geräte zur Brandbekämpfung herstellt. Erklären Sie uns das Prinzip …
Wir entwickelten eine Löschturbine, die auf einem Raupenfahrzeug montiert, ferngesteuert direkt zu einem Brandherd vordringen kann. Der Roboter ist mit Kameras und Sensoren ausgestattet, die den Brandherd erkennen. Die Turbine erzeugt einen feinen Sprühnebel aus Wasser und sprüht punktgenau auf den Brandherd. Der Vorteil des ferngesteuerten Löschroboters ist seine Reichweite bis zu 90 Meter, wodurch die Einsatzkraft aus sicherer Entfernung agieren kann, anstatt sich unmittelbar dem Gefahrenbereich nähern zu müssen. Weiters kann beispielsweise in kürzester Zeit sogar ein Trafobrand dank des nicht leitenden Wassernebels oder ein Flüssigkeitsbrand (z.B. Öl, Benzin) ohne Explosionsgefahr gelöscht werden, was mit einem herkömmlichen Wasserstrahl wegen der elektrischen Leitfähigkeit und der Gefahr einer Explosion nicht möglich wäre.

Martin Eppacher,
Geschäftsführer der Firma EmiControls.

Wie entstand die Idee zum Löschroboter?
Mein langjähriger Arbeitgeber, die Bozner Firma TechnoAlpin, ist im Beschneiungssektor tätig. Die Idee zur Löschturbine kam aus dem Prinzip der Wasserzerstäubung, welches auch für die Beschneiung benötigt wird, um mit Hilfe dessen Brände zu löschen. Wir haben also eine Schneekanone umgebaut, einen Prototyp erstellt und gemeinsam mit der Berufsfeuerwehr aus Bozen erste Tests vorgenommen und das Gerät perfektioniert. Das Endprodukt hat heute kaum noch etwas mit einer Schneekanone zu tun, aber der Grundgedanke diente als Ausgangsbasis. Dieses Produkt wird nun durch EmiControls vermarktet, die ich als Geschäftsführer leite.

Gibt es weitere Einsatzmöglichkeiten?
Der Löschroboter kann auf einem Raupenfahrzeug ferngesteuert werden oder auf einem Löschtankwagen fix montiert. Ein weiterer Einsatz ist auf Recyclinghöfen. Sehr häufig entstehen dort Brände durch Selbstentzündung oder aufgrund von falsch entsorgten Batterien und Akkus. Bei Recyclinghöfen werden in den Hallen bzw. meist im Dachbereich die Löschturbinen fix installiert. Schwenkbare Infrarotkameras erkennen Hitze- bzw. Brandentwicklungen schon im Vorfeld und die Löschung erfolgt dann in wenigen Minuten vollautomatisch, sodass ein eventueller Brand bereits vor dem Eintreffen der Einsatzkräfte vor Ort gelöscht und das restliche Areal kaum in Mitleidenschaft gezogen wird. Durch diese Löschturbinen konnten bereits viele Vollbrände in Recyclinghöfen verhindert werden. Weitere Einsatzgebiete finden sich in der Holzindustrie sowie vor allem bei Situationen, bei denen es darum geht, punktuell und aus großer Entfernung aufkeimende Brände unmittelbar zu löschen. Auch in der Chemieindustrie bietet dies enorme Vorteile, da dort mit dem feinen Wassernebel zusätzlich diverse chemische Gase effektiv gebunden werden können.

Nennen Sie uns einen besonderen Einsatz des Gerätes …
Beim spektakulären Unfall im Januar 2024 kollidierte ein Airbus der Japan Airlines bei der Landung auf dem Flughafen Tokio mit einer Maschine der Küstenwache. Alle 379 Insassen des Passagierflugzeugs überlebten die Evakuierung, während fünf der sechs Besatzungsmitglieder des kleineren Flugzeugs der Küstenwache starben. Beide Flugzeuge brannten völlig aus. Unser Brandroboter kam zum Einsatz und verhinderte noch größere Schäden. Das Konzept der Löschturbine ist zudem, die Einsatzkräfte selbst möglichst zu schützen.

Besitzen unsere Feuerwehren diese Geräte?
Die Berufsfeuerwehr Bozen besitzt einen unserer Löschroboter sowie auch eine Löschturbine direkt montiert auf einem Tanklöschfahrzeug. Da das Gerät kostspielig ist, kann es sich nicht jede freiwillige Feuerwehr unseres Landes leisten, aber ich denke schon, dass zumindest in jedem Bezirk Südtirols eines vorhanden sein sollte. Wenn man bedenkt, wie gefährlich und weiträumig Brände sein können und welche Kosten ihre zerstörerische Wucht verursachen, rechnet sich die Anschaffung eines Löschroboters allemal. Abgesehen davon ist der Schaden durch das Löschwasser weitaus geringer als bei der üblichen Brandbekämpfung, dank des effizienteren Einsatzes des vernebelten Wassers für die direkte Brandlöschung.

Werden Brandroboter durch KI gesteuert?
Die Kameras arbeiten mit Hilfe auch der KI im Erkennen eines Brandes und Aktivierung des Löschvorganges. Ich bin ein totaler Fan von KI und sehe darin ein großes Potenzial und die Beherrschung der KI als große Chance. So haben auch alle unsere ca. 850 Mitarbeiter in der gesamten Unternehmensgruppe in den weltweiten Standorten Zugang zu diesen Tools, sei es in der Planung, Konstruktion und Verwaltung.

Sie haben einen arbeitsintensiven Job …
Mein Arbeitstag geht oft über 12 Stunden, aber ich finde den Job überaus spannend. Das Wochenende verbringe ich mit der Familie daheim in Ahornach. Beim Wandern und Radfahren kann ich abschalten und gleichzeitig kommen mir da oft die kreativsten Ideen. Und beim Fotografieren kann ich die Ruhe und meine Emotionen im Bild festhalten, in meiner sonst oft hektischen Zeit.
IB