

Welsberg – Vor Kurzem beging die Elektrowerk-Genossenschaft Welsberg ihr 100-jähriges Bestehen. Im Welsberger Paul-Troger-Haus fanden sich die Ehrengäste, Mitglieder und Mitarbeiter:innen zu einer denkwürdigen Feierstunde ein.
In Festlaune hieß Obmann Klaus Oberjakober die zahlreich erschienenen Gäste willkommen, Geschäftsführerin Stefanie Kind führte unterhaltsam durch den Abend. In einer angeregten Podiumsdiskussion wurde von allen Seiten die Nachhaltigkeit der Wasserkraft betont und bereits erste Zukunftsvisionen, so zum Beispiel ein Fotovoltaik-Ausbau, konkret ins Auge gefasst. Bei Spinatroulade, Spargelsuppe, Schulternahtl, Jubiläumskuchen und einem köstlichen Tropfen klang die gelungene Feier aus.
Historischer Rückblick
Um das Jahr 1900 kaufte die österreichische Fa. Pfatschbacher & Comp. die baufällige Kempter Mühle samt Sägewerk, das man verpachtete, und baute diese von 1904 bis 1906 in ein Elektrowerk um. Durch den Konkurs der Fa. Pfatschbacher & Comp. nach dem 1. Weltkrieg, sollte das Elektrowerk verkauft werden, was die Gemeinde Welsberg durch ihr Vorkaufsrecht zu verhindern wusste und es am 01.09.1918 erwarb. Das E-Werk und das Sägewerk wurden dann von der Gemeinde Welsberg betrieben, aber 1925 galt es, den Erhalt des Werkes für die Bevölkerung erneut zu sichern. Am 25.04.1926 wurde im Gasthof „Zur Rose“ die Gründungsversammlung dieser Genossenschaft abgehalten und von 70 Bürgern das „Elektrizitätswerk Monguelfo/Welsberg als reg. Genossenschaft m.b.H.“ ins Leben gerufen. Die Genossenschaft löste das Elektrowerk der Gemeinde um 155.000 Lire ab (eine Kuh war 1.000 Lire wert). Das nötige Geld ging sofort ein, sodass die Mitglieder die Gebühr nicht entrichten mussten. Durch den Holzhandel und das Sägewerk blühte die Genossenschaft auf. Von 1926 bis heute verwalteten fünf Obmänner das Elektrowerk: Schenk Johann (1926-1928), Sapelza Andreas sen. (1929-1976), Schenk Josef (1977-1988), Mairhofer Franz (1988-2010) und Oberjakober Klaus (2010 bis heute).
Baugeschichte
Im Gebäude, das sich im Unterdorf befindet und seit der Gründung unverändert geblieben ist, sind das Büro, eine Wohnung und eine Werkstatt untergebracht. Hinter dem Fenster im Parterre, produzierten bis in die 1980er-Jahre der alte Generator und das Notstromaggregat Elektro-Energie. In den 1970er-Jahren wurden die Freileitungen mit Erdkabel ersetzt und die Kabinen erneuert. Planer war Dr. Ing. Gotthard Ferstl aus Mühlbach, dem seine Frau Helene bei den Vermessungen assistierte. Mit den Ausführungen wurde unter anderem die Firma Luis Pohlin (ELPO) aus Bruneck betraut. Ebenfalls in den 1980er-Jahren wurde die bisher offene Wiere, die von der Schleuse auf der Höhe der ehemaligen Militärkaserne zur Turbine im Elektrowerk-Gebäude führte und bei der Brücke über die Rienz zum Weiler Ried mündete, in Rohre mit über zwei Metern Durchmesser gelegt. Schließlich wurde das neue Elektrowerk an der Rienz vor der Einmündung des Gsieser Baches gebaut und das Elektrowerk am Unterlauf des Pidigbaches (Gsieser Baches) geplant. Dieses Projekt wurde an die Gemeinde Welsberg abgetreten, damit das Bauvorrecht für Welsberg erhalte blieb. Schlussendlich gelang es der Genossenschaft 2012, sich am E-Werk Graf, auf der Höhe des Fernheizwerkes Welsberg-Niederdorf, zu beteiligen.
vd/red
Es gibt derzeit keine bevorstehenden Veranstaltungen.