

Gadertal – Im Gadertal wurden in den letzten Jahren zwei Elchschaufeln entdeckt. Der sensationelle Fund wird jetzt dem Publikum vorgestellt, nachdem sie fachlich eingeordnet sind und ihr Alter bestimmt worden ist.
Die erste Elchschaufel kam 2020 beim Bau der Talstation des Costorata-Lifts am Campolongopass auf rund 1.875 m zutage. Maria Trebo, Wirtin der Almhütte Munt Planfistí, erkannte die Bedeutung des Fundes und zeigte ihn Fachleuten. Die Radiokarbondatierung ergab ein kalibriertes Alter von rund 7.810 Jahren, also aus der Mittleren Steinzeit stammend. Die zweite Elchschaufel fanden 2023 Laura Fornasier aus Stern im Gadertal und ihre Nichte Sara Venturini aus Verona, und zwar im ausgetrockneten Bachbett des Rü Sciaré im Bereich der Capanna Alpina bei St. Kassian. Diese Schaufel ist rund 6.060 Jahre alt.
Veränderte Lebensräume
Nach der letzten Eiszeit lebten Elche auch im Gadertal, und zwar in einer Landschaft, die völlig anders aussah als heute. Beide Stücke gehören in eine Zeit, in der sich die Dolomiten nach dem Rückzug der Gletscher stark veränderten. Wälder breiteten sich aus, und große Säugetiere wie der Elch fanden hier geeignete Lebensräume. Elchbullen werfen ihre mächtigen Geweihschaufeln nach der Brunft, meist im Spätherbst oder Winter, ab. Die Schaufel vom Campolongopass wurde in einem damaligen Hochmoor abgeworfen. Dort begünstigten Feuchtigkeit und Sauerstoffarmut die außergewöhnlich gute Erhaltung. Die Schaufel aus dem Bachbett bei der Capanna Alpina hingegen wurde in Dolomitschotter eingebettet und dadurch über Jahrtausende geschützt. Fachlich eingeordnet hat die beiden Schaufeln Herwig Prinoth, Paläontologe am Museum Ladin. Für ihn sind sie ein außergewöhnlicher Nachweis für die nacheiszeitliche Tierwelt der Dolomiten. Weitere Elchgeweihe in Südtirol fand man bei Lichtenstern am Ritten im Jahr 2004, mit einem Alter von etwa 13.300 Jahren, sowie auf der Seiser Alm bei Gumerdun, mit Datierungen um rund 7.000 und 5.800 Jahre. „Vor einiger Zeit hatte ich die lange als verschollen gegoltenen Elchschaufeln von Gumerdun auf der Seiser Alm wiederentdeckt und mich intensiv mit ihnen beschäftigt“, sagt Prinoth. „Mir wurde bewusst, wie selten und bedeutend solche Funde sind. Umso erstaunlicher ist es, dass nun auch im Gadertal gleich zwei Elchschaufeln zum Vorschein gekommen sind.“
Die Geschichte der Elche
Elche der Gattung Alces sind seit dem Pleistozän (begann vor ca. 2,588 Mio. Jahren und endete vor 11.650 Jahren) bekannt. Darstellungen von Höhlenzeichnungen lassen vermuten, dass der Steinzeitmensch bereits Elche gejagt hat. Die erste Beschreibung lesen wir in Cäsars „De Bello Gallico“, wo er sie als Tiere ohne Kniegelenke beschreibt, die sich zum Schlafen gewöhnlich an Bäume anlehnen. Heute gilt der Konig der nordischen Wälder, wie der Elch in Skandinavien genannt wird, als Symbol für respektvollen Umgang mit der Natur. Die Tiere werden bis zu 15 Jahre alt, wiegen ca. 400-700 kg, wobei allein das Geweih 15-20 kg schwer ist.
Die Ausstellung im Gadertal
Das Museum Ladin Ursus ladinicus feiert heuer sein 15-Jahre-Jubiläum. Ein schöner Anlass also, dass gerade jetzt die zwei Elchschaufeln aus dem Gadertal erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Die Direktorin, Katharina Moling, betont die Bedeutung der neuen Präsentation: Sie zeige, wie eng wissenschaftliche Forschung, aufmerksames Handeln vor Ort und museale Vermittlung miteinander verbunden sind. Ohne die Aufmerksamkeit der drei Finderinnen hätten diese besonderen Zeugnisse der Naturgeschichte nicht gesichert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können. Mit den Schaufeln rücken im Museum Ladin Ursus ladinicus neben dem berühmten Höhlenbären und Höhlenlöwen aus der Conturineshöhle nun auch Elche in den Blickpunkt des Gadertals. Die Conturineshöhle gilt mit rund 6 Millionen Jahren als älteste datierte Höhle der Alpen. Geöffnet ist das Museum in St. Kassian bis 1. November von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr.
IB
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