

Ahrntal – Andrea Knapp ist Busfahrerin aus Leidenschaft. Seit gut einem Jahr fährt sie hauptsächlich die Linien im Tauferer Ahrntal.
Zum Interview um 9 Uhr kommt Andrea Knapp gut gelaunt und frisch geduscht. Drei Stunden zuvor hüpfte sie aus dem Bett, um im Fitnessstudio zu schwitzen. Um 11 Uhr muss sie wieder auf den Bock, Linie 450 Bruneck-Kasern. Die zierliche 25-Jährige fährt 12-Meter-Linienbusse und erzählt von ihrem Traumjob.
Frau Knapp, wie fühlt es sich an, einen Bus zu lenken?
Andrea Knapp: Einfach nur gut! Wie ein Küken kam ich mir vor, als ich mit 24 Jahren zur bewährten Gruppe der Busfahrer der Kronplatz Mobility stieß. Mittlerweile bin ich voll akzeptiert und respektiert.
Wollten Sie immer schon Busfahrerin werden?
Eigentlich nicht. Mit drei Geschwistern wuchs ich auf dem Gartnerhof in Mühlwald auf, meine Kindheit war wunderbar, umgeben von Tieren und Natur. Mit vier Jahren wusste ich, dass ich Köchin werden wollte, schon als Kind ließ mich meine Mutter in der Küche werkeln. Nach der Mittelschule besuchte ich zwei Jahre die Hotelfachschule in Bruneck und ging mit 15 in die Lehre. Anschließend absolvierte ich neben der Arbeit, im Blockunterricht die Hotelfachschule in Meran und schloss als Kochgesellin ab. Danach kochte ich in mehreren Hotels und Restaurants und war voll begeistert. Dass mir nach knapp zehn Jahren die Freude am Job doch vermiest wurde, lag an einer Anstellung in Meran, wo ich bis zum Umfallen in der Küche stand, eine echte Schinderei, und wo auch die Bezahlung nicht stimmte. Ich kam auf einen Punkt, wo eine Veränderung hermusste. Zufällig kam ich mit einem Kollegen ins Plaudern und er animierte mich, den Bus-Führerschein zu machen, es zumindest zu versuchen.
War die Bus-Führerscheinprüfung schwierig?
Die Ausbildung absolvierte ich in zehn Monaten, nebenbei arbeitete ich noch in der Küche. Das war schon recht herausfordernd. Die Theorieprüfungen gingen gut. Die praktische Ausbildung habe ich meinem Arbeitgeber, der Kronplatz Mobility zu verdanken, der mir Fahrstunden ermöglichte, an dieser Stelle: Danke Alex! Großes Danke auch an Claudio, er zeigte mir viele Tipps und Tricks. Die Fahrprüfung schaffte ich auf Anhieb.
Nach einen kurzen Lernphase in die Linien, fahre ich nun seit Juli 2025 Linien- und Citybus, vorwiegend im Tauferer Ahrntal. Was mir noch vorschwebt, sind die Fahrprüfungen für den 18-Meter-Gelenkbus sowie den C-Führerschein für LKW zu machen. Meine Zukunft lenke ich mir an einem großen Steuerrad (lacht).
Was ist so faszinierend am Busfahren?
In der Küche gab es ganz viel Stress und täglich dasselbe Umfeld. Im Bus lernst du viele Menschen kennen, das Fahren ist abwechslungsreich. Vor allem habe ich einen geregelten Arbeitsplan, sodass ich mir die Freizeit gut einteilen kann. Dadurch wurde ich selbst viel ruhiger. Meine Kollegen sind nett, es herrscht ein angenehmes Arbeitsklima.
Hatten Sie nie Probleme mit Randalierern?
Es gab schon Vorfälle, wo Jugendliche handgreiflich werden wollten, die Carabinieri musste ich zum Glück noch nicht rufen. Im Nightliner ist immer ein Sicherheitsmann mit im Bus. Durch den Job wurde ich selbstsicherer, früher war ich eher schüchtern. Inzwischen konnte ich mir den nötigen Respekt verschaffen –
auch als Frau.
Apropos: Ist Busfahren ein guter Job für eine Frau?
Ja, warum denn nicht? Es ist ein Job, wo es nicht viel Kraftaufwand braucht, aber Sensibilität. Klar, ich merke schon, wie man meine Handgriffe beobachtet. Ich merke aber auch, dass man mir vertraut. Letzten Winter gab es einmal Neuschnee, die Fahrt nach Weißenbach ging gut, der Schnee war griffig. Aber bei der Herausfahrt kam der Bus in einer Kurve ins Rutschen. Durch Gegensteuern gelang es mir, den Wagen wieder in den Griff zu bekommen. Alle Fahrgäste applaudierten. Mein schönstes Kompliment!
Wie füllen Sie Ihre Freizeit?
Durch den Beruf im Sitzen, brauche ich in der Freizeit viel Bewegung zum Entspannen und für mein inneres Gleichgewicht: wandern, joggen und Fitnessstudio. Bei Schlechtwetter trainiere ich daheim auf dem Laufband. Gerne bin ich auch mit meinem Hund Lacky, ein Australian Shepherd, unterwegs, der allerdings daheim auf dem Hof in Mühlwald ist. Ich selbst wohne seit einiger Zeit in Luttach.
Sie lieben Tattoos, haben diese eine Bedeutung?
Jedes Tattoo bedeutet mir viel. Ich bin eine Kämpferin, deshalb der Tigerkopf am Arm. Der Löwenkopf am Bein veranschaulicht mein Sternzeichen. Auch habe ich mir meinen Herzschlag mit „Glaube, Hoffnung, Liebe“, stechen lassen sowie Symbole in Erinnerung an Verwandte und Verstorbene. Und Rosen, meine Lieblingsblumen.
Gibt es ein Lebensmotto?
Nicht auf Vergangenes beharren, sondern immer nach vorne schauen. Der Lebenslauf ist vorgezeichnet, weshalb ich jeden Tag genießen will. Jeder Mensch hat sein Packl zu tragen, wenn du aber mit dir selbst zufrieden bist, lebt sich das Leben viel leichter.
IB
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