

Südtirol – Langjähriger ehrenamtlicher Einsatz schafft persönliche Erfüllung – Eine verdiente Anerkennung für viel Arbeit im Hintergrund für drei Pusterer.
In der vorigen Ausgabe des Puschtra Magazins haben wir drei Persönlichkeiten vorgestellt, die heuer mit der Verdienstmedaille des Landes Tirol ausgezeichnet wurden; nun folgen weitere drei.
Martin Grohe

Martin Grohe
„Eine solche Ehrung zu erhalten, ist eigentlich nicht mein Ding“, sagt Martin Grohe (75) aus Bruneck. „Ein normales Danke ist genug und freut mich“.
Wenn es darum geht, anderen zu helfen, so hat ihm sein Vater ein gutes Beispiel gegeben. Dieser war über Jahre treibende Kraft beim Vinzenzverein und erhielt dafür ebenfalls die Verdienstmedaille des Landes Tirol. „Ich bin da so hineingewachsen“, sagt er.
Den Tag der Verleihung in Innsbruck sei ihm in guter Erinnerung geblieben, erzählt er weiter. Neben dem Auftritt der Wiltener Sängerknaben beim Gottesdienst, „war es der Händedruck von Landeshauptmann Arno Kompatscher, weil ich den Eindruck hatte, dass sein Dank von Herzen kam. Dass auch Lobbyisten für Interessensvertretungen geehrt wurden scheint mir widersprüchlich. Was hat der ausufernde Tourismus Gutes für die Menschen und Umwelt gebracht?“, gibt sich Grohe kritisch. Es ist vor allem die Pfarrei um die sich Martin Grohe kümmert, er sei sowas wie der „Hausmeister“, findet er. In der Kirche selbst, im Widum in den kirchlichen Gebäuden gibt es immer etwas zu reparieren und in Schuss zu halten. Als Mitglied im Verwaltungsrat der Pfarrei Maria Himmelfahrt entscheidet er zudem die verschiedenen Projekte mit. Weitere Einsatzgebiete sind der Weltladen, die Lebensmittelausgabe „Leo“ und dem „Offenen Kleiderschrank“. Seine Ehrung, das hebt er hervor, sieht Grohe deshalb nicht in erster Linie für sich, sondern für alle, die sich in diesen Vereinen ehrenamtlich einbringen und als Gelegenheit, anderen zu zeigen, wie gut es tut, sich für die Allgemeinheit einzusetzen. Schließlich gäbe es dazu unzählige Möglichkeiten. „Und solange ich es schaffe, nehme ich es auch als Auftrag, weiterzumachen“. Ein Stück weit für das reibungslose Funktionieren der Glocken, der Uhr oder der ganzen Elektrik in der Pfarrkirche mitverantwortlich sein, mache ihm viel Freude, meint er. Diese Freude am Reparieren und am Lösen manchmal auch kniffeliger Aufgaben habe ihn sein ganzes Berufsleben als Autoelektriker begleitet, erklärt Grohe. Im jahrelangen Bemühen, lieber etwas zu reparieren, als gleich auszutauschen, ist man zwangsläufig zum Tüftler geworden.
Olga Dellavaja Senfter

Olga Dellavaja Senfter
Immer wenn Tochter Monika anruft, und meint, sie solle sich hinsetzen, bevor sie ihr was zu sagen habe, hätte sie ein ungutes Gefühl, sagt Olga Dellavaja Senfter (86) aus Innichen. Diesmal war alles anders: Ihre Tochter konnte ihr mitteilen, dass sie die Verdienstmedaille des Landes Tirol verliehen bekommt. Als sie den Brief dann wirklich in Händen hatte, habe sie sich schon „sehr gefreut“. Die Aufregung war groß und für die Fahrt nach Innsbruck musste ein neues Dirndl her, „sowas gehört sich einfach“, sagt sie. Der Gottesdienst mit den Wiltener Sängerknaben und der Festakt selbst habe ihr sehr gut gefallen.
Wer Olga Dellavaja Senfter kennt, weiß, dass sie es nicht einfach hatte und dennoch mit ihrer positiven Ausstrahlung und ihrem sonnigen Gemüt immer für andere da war.
Nach einer schweren Kindheit während des Krieges als Halbwaise in ärmlichen Verhältnissen in Neumarkt heiratet sie 1964. Ein Jahr später kommt ihre Tochter zur Welt, mit einer Beeinträchtigung (Spastikerin), die sie ein Leben lang zum Pflegefall macht. Olga übernimmt mit ihrem Mann ein Schutzhaus im Friaul und einen Betrieb am Kreuzbergpass in Pacht, dann die AVS Dreischusterhütte. 1981 kommt ihr Mann unter bis heute nicht gänzlich geklärten Umständen ums Leben. Olga steht mit den beiden Töchtern (9 und 16 Jahre alt) und dem Betrieb alleine da und die Wohnung steht in Rohbau. 1998 kauft sie mit der zweiten Tochter ein kleines Berghotel und führt es, bis sie 2006 in den „sogenannten Ruhestand“ geht.
Ruhig wird es in ihrem Leben deshalb nicht. In all den Jahren und weit über ihre Pensionierung hinaus war sie treibende Kraft im örtlichen Familienverband, im KVW, stand für die Volksbühne Innichen auf der Bühne, arbeitete im Arbeitskreis Eltern Behinderter und im Strukturbeirat der geschützten Werkstatt Ansitz Biedenegg mit. Auch die Pfarrei liegt ihr am Herzen, für die sie sich als Mitglied im Pfarrgemeinderat einsetzte. Ihr besonderer Einsatz gilt Menschen mit Beeinträchtigung und der Unterstützung ihrer Angehörigen.
„Dass ich als einfacher Mensch so eine Auszeichnung bekomme, hat mich schon sehr, sehr gefreut. Es kann also nicht alles falsch gewesen sein“, sagt sie mit einem Schmunzeln abschließend.
Ingrid Beikircher

Ingrid Beikircher
Ingrid Beikircher (69) aus Sand in Taufers erhielt die hohe Ehrung für ihre Verdienste um den Alpenverein Südtirol (AVS) und den Alpinismus.
Mehr als 30 Jahre engagierte sie sich ehrenamtlich im AVS, ab 1995 in der Sektion Sand, seit 2008 dann als Vizepräsidentin in der Landesleitung. In dieser Funktion setzte sie wichtige Projekte um, darunter die landesweiten AVS-Bezirke, den Seilschaftsfonds für verunfallte Mitglieder sowie als Chefredakteurin des AVS-Magazins „Bergeerleben“. Auch die internationale Zusammenarbeit mit alpinen Vereinen und der Einsatz für sanften Bergtourismus waren ihr wichtige Anliegen. Im Mai legte sie ihr Amt im AVS nieder.
Ihr Weg zum Alpenverein verlief nicht geradlinig. Ursprünglich wollte Beikircher Musik studieren, entschied sich nach dem frühen Tod ihres Vaters jedoch für Maschinenbau und führte gemeinsam mit ihrer Mutter den elterlichen Betrieb weiter. Nach 15 Jahren verkaufte sie die Firma und stieg in die Frühstückspension ihrer Mutter ein. Die gewonnene freie Zeit nutzte sie für ihr Ehrenamt im AVS.
Vor allem ihr Bruder Werner zeigte ihr den Weg und die Leidenschaft für die Berge. Zu ihren schönsten Bergerlebnissen zählen Touren auf Ortler, Großglockner und Großvenediger. Besonders in Erinnerung bleibt ihr eine Schneeschuhtour zum Magerstein mit ihrer damals 85-jährigen Mutter und Werner.
Auch außerhalb des AVS engagierte sich Beikircher vielfältig, etwa im Tourismus- und Bildungsausschuss. Sie organisierte Kulturveranstaltungen, wirkte an lokalen Projekten mit und dokumentierte gemeinsam mit anderen die Erinnerungen älterer Dorfbewohner. Zudem ist sie seit vielen Jahren als Publizistin tätig.
Die Auszeichnung widmet sie ihren Eltern und ihrem Bruder sowie allen Menschen, die sich ehrenamtlich für die Gemeinschaft einsetzen. Ihre Botschaft ist zugleich ein Appell zum Schutz der Umwelt: Angesichts des privilegierten Lebens in unserer großartigen Natur müsse der Mensch demütiger und genügsamer werden und die Erde für kommende Generationen bewahren.
MT