Liebe Leserin, lieber Leser,

wir haben ein spannendes Wochenende hinter uns: während die einen mit prall gefüllten Einkaufstüten aus den überfüllten Läden stürmen, demonstrieren die anderen vor den Geschäften beliebter Einkaufsstraßen mit Plakaten und Flyern gegen Konsumwahn und schlechte Arbeitsbedingungen. Der Black Friday hat auch uns erwischt, wie die Wintergrippe.

Mit seinen schwarzen Fahnen und vielversprechenden Ansagen ist der Black Friday auch hierzulande eingezogen, wie einst Julius Caesar in Kleinasien. Sein Spruch „veni, vidi, vici – ich kam, sah, siegte“ ist wohl jedem bekannt! Ich frage mich, ob er sich auch in diesem Fall bewahrheiten wird? Den Umsätzen zufolge, die die Big Players weltweit an diesem schwarzen Wochenende gemacht haben, ist sicher, dass der Black Friday einen Sieg davongetragen hat, dem gleich mehrere Millionen anheimgefallen sind.

Der aus Amerika zu uns eingewanderte Trend, hat sich nämlich in den letzten Jahren einige Schneisen durch die europäischen Einkaufsmeilen geschlagen und holt zum Rundumschlag aus. Gezielt heizt er die Weihnachtseinkaufssaison an und damit nicht genug, aus dem ausverkaufsstarken Black Friday wird das Black Friday Weeckend. Jetzt sind es schon zwei Tage, die für uns auserkoren wurden, um unser Geld SINNVOLL auszugeben. Wir haben es lange schon verlernt selbst nachzudenken, was gut für uns ist oder sind wir zu müde, weil uns die Informationsflut, der wir heutzutage ausgesetzt sind, erschlägt!

Große Plakate und großzügige Prozente in Schwarz weisen uns nochmal darauf hin, sollten wir es auf unserem Weg in die Arbeit oder auf dem Heimweg vergessen haben. Wohin man auch schaut, kein Schaufenster ist vor dem Schwarzen Freitag sicher. Und noch weniger ein Internetkauf. Sich an diesen Tagen online einzudecken, in der Flut der Massenangebote und unter Zeitdruck dem vielversprechenden Schnäppchen hinterherzujagen, verleitet uns zu schnellen und unüberlegten Handlungen, die Netzbetrügern Tür und Tor öffnen.

Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann? Ja, das war der Spruch von gestern und es war ein Spiel! Wenn wir darüber nachdenken, müssten wir uns heute vor Aktionen wie dem Black Friday fürchten, der zum Schwarzen Mann für unsere Umwelt und für ausgebeutete Menschen wird. Durch unseren ungezügelten Konsum, der von solchen Aktionen noch weiter angeheizt wird, schlittern diese noch tiefer in den schwarzen Schlund der globalen Bestie bis sie verschwunden sind.

Herzlich
Ihre Tanja Leitner – redaktion@puschtra.it