Liebe Leserin, lieber Leser,

Wann ist man eigentlich alt und gehört zur Gruppe der älteren Menschen? Laut Vereinte Nationen gehören wir mit mehr oder weniger 60 Jahren zu dieser Personengruppe. In Südtirol sind laut ASTAT fast 20 Prozent der Bevölkerung über 65 Jahre alt. Eines steht fest, jeder von uns wird älter und kann dies auch nicht aufhalten. Was wir allerdings in der Hand haben ist, wie wir alt werden. Denn ein gesundes Altern kann gefördert werden, sind sich Barbara Plagg und Stefan Zerbe einig. Die zwei Wissenschaftler sind der Frage nachgegangen, wieso Menschen in unterschiedlichen Geschwindigkeiten altern. Und dieses Bild ist laut den beiden in Südtirol dasselbe, wie überall sonst auf der Welt.

In der Studie erörterten die Wissenschaftler Fragen wie: Welche Gruppen altern besonders schnell? Was beeinflusst unsere Lebenserwartung und was erhält beziehungsweise beeinträchtigt unsere Gesundheit und einen gesunden Alterungsprozess? Die Geschwindigkeit des Alterns ist laut Plagg und Zerbe nur zu einem kleinen Teil in unseren Genen festgelegt, vielmehr spielen Umweltfaktoren, soziale und ökonomische Faktoren die zentrale Rolle. Die Wissenschaftler legen dar, dass die Haupttodesursachen in den Industrieländern nach wie vor chronische Erkrankungen darstellen. In der Studie haben die beiden Forscher zusammengetragen, welche Faktoren solche Erkrankungen begünstigen. Für den Alterungsprozess ausschlaggebend sind ebenso Umweltfaktoren. „Wenn man bedenkt, dass in Europa mittlerweile über 60 Prozent der Bevölkerung in Städten lebt, so spielen urbane Lebensraumfaktoren wie Luftverschmutzung, Hitzewellen und Lärmbelästigung eine zentrale Rolle“, so Professor Zerbe, der in einer nachhaltigen Stadt- und insbesondere der Grünraumplanung einen wichtigen Hebel sieht, um dem stressbedingten Altern entgegenzuwirken.

Plagg, die an der Fakultät für Bildungswissenschaften der unibz lehrt und am Institut für Allgemeinmedizin an der Claudiana als Wissenschaftlerin tätig ist, ist davon überzeugt, dass der Altersprozess und die Lebenserwartung nicht unabhängig von der sozioökonomischen Lebenswelt eines Individuums verstanden werden kann. Ein einkommensstarker Manager kann sich im Vergleich zu einem Arbeiter etwa eine bessere Wohnsituation, gesündere Ernährung usw. leisten, gleichzeitig ist seine Arbeit physisch weniger anstrengend. Die Statistiken zeigen es Jahr für Jahr – die reichere Bevölkerung lebt ca. acht bis zehn Jahre länger als die ärmere. Das gilt auch für Südtirol.“

Die Studie soll helfen gesellschaftspolitische Schritte zu setzen und Barrieren in Richtung Gesundheitsvorsorge für alle abzubauen, denn am Ende koste ein Langzeitkranker mehr als Menschen, in deren Gesundheit und Wohlergehen vorsorglich investiert wird.

Herzlich
Ihre Tanja Leitner – redaktion@puschtra.it