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Olympisches Wintermärchen: Segen oder Fluch?

Antholz – Während die einen jubeln, bedauern die anderen die Olympia-Teilnahme mit Austragungsort Antholz während der Olympischen Winterspiele 2026. Das IOC hatte Ende Juni Mailand und Cortina als Austragungsorte auserkoren.
Der 24. Juni 2019, um 18:04 Uhr, war für viele DER Moment, der wohl in die Geschichtsbücher Südtirols eingehen wird. Das Internationale Olympische Komitee IOC hat den italienischen Bewerbern Mailand-Cortina die Austragung der Olympischen Winterspiele 2026 zugesprochen. Damit wird zum ersten Mal auch Südtirol Schauplatz einiger Sportbewerbe der Spiele: Im Biathlon werden sich die teilnehmenden Athleten nämlich in Antholz messen. „Wir sind besonders stolz, dass es gelungen ist, ein Stück Olympische Spiele nach Südtirol zu bringen. Antholz ist auf alle Fälle bereit, die Spiele auszurichten“, betonte der Landeshauptmann, der den Bezug auf die Nachhaltigkeit unterstrich, dass die Olympischen Spiele in Antholz 2026 keine großen Neubauten vorsehen würden – im Gegenteil: Die bestehende Infrastruktur sei bereits auf dem neuesten Stand und würde keine größeren Eingriffe benötigen. Lediglich einige bereits geplante Arbeiten seien noch abzuschließen wie der Bau der Bahnschleife im Riggertal.

Nachhaltige Olympiade?
Der Bezirkssprecher der Süd-Tiroler Freiheit Pustertal, Bernhard Zimmerhofer, bedauert den Zuschlag und schreibt in einer Aussendung: „Wenn es für solche internationalen Sportgroßveranstaltungen immer weniger Bewerber gibt und auch die Bevölkerung dem ablehnend gegenübersteht, dann ist das ein klares Zeichen dafür, dass Olympia ein Auslaufmodell ist!“ Nachhaltiger sei es, wenn diese Gelder für den Breitensport und für den Schulsportunterricht verwenden würden. Der Staat hätte weit größere Probleme, als sich um die Ausrichtung einer kostenintensiven Sportveranstaltung zu kümmern, kritisierte Zimmerhofer weiter, der finde, dass das Image von solchen Sportgroßereignissen in den vergangenen Jahren aufgrund vieler Korruptionsskandale sowie zahlreicher Dopingskandale, stark gelitten hätte. Aktuelle Probleme seien eine zusätzliche Verkehrsbelastung und Umweltzerstörung sowie Preissteigerungen, schreibt Zimmerhofer. Deshalb könne also von „‘ Spielen im Zeichen der Nachhaltigkeit‘ und ‘ Sportveranstaltung mit geringen Umweltauswirkungen‘, wie es der Landeshauptmann ausgedrückt hat, keine Rede sein! Dafür sprechen alleine schon die rekordverdächtigen Entfernungen zwischen den verschiedenen Austragungsstätten“, betonte Zimmerhofer abschließend.

Dennoch Investitionen nötig
Erfreut über den Zuschlag zeigt sich die freiheitliche Landtagsabgeordnete Ulli Mair in einer Aussendung, wenn auch die Beteiligung der gesamten Europaregion Tirol wünschenswert gewesen wäre. Dennoch könne die Austragung der Wettbewerbe im Biathlon in Antholz einen nachhaltigen Effekt haben, so Mair. „Die bestehenden Strukturen und Anlagen in Antholz sind hervorragend für die Herausforderung der Winterspiele 2026 ausgerichtet, aber dennoch sind Investitionen bei den Infrastrukturen zu tätigen. Dazu zählen Projekte wie die Riggertalschleife, die Umfahrung von Percha und die Verdichtung des öffentlichen Nahverkehrs, die umgehend angegangen werden müssen“, hält Mair darin fest. „Die Sportstätten müssen nach dem Ende der Olympischen Spiele natürlich dem Leistungssport aber auch dem Breitensport zur Verfügung gestellt werden“, forderte die freiheitliche Landtagsabgeordnete zudem. (RED)