Die Burgruine Altrasen

Matthias Grunser aus Terenten
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Die Burgruine Altrasen

Wer schon mal in Rasen oder Richtung Antholz unterwegs war und ein etwas geschultes Auge hat, dem dürfte vielleicht im Wald an der rechten Talseite etwas oberhalb von Niederrasen eine Ruine aufgefallen sein.

Die Ruine Altrasen liegt eine gute halbe Stunde auf dem sogenannten Imberg um genau zu sein, dessen Osthang und ist bequem von Niederrasen aus zu erreichen. Ein dicht bewachsener schmaler Rücken im Hang bildet den Burghügel. Die Anlage selbst weist drei größere Umbauphasen bzw. Neubauphasen auf.

Der Turm
Der älteste Teil der Burgruine scheint im Laufe des 12. Jahrhunderts erbaut worden zu sein. Es handelt sich hierbei wahrscheinlich lediglich um einen einzelnen Turm, welcher sicherlich Wehrcharakter und kein angenehmes Wohnen bot. Dieser Turm befindet sich an der höchsten Stelle des erwähnten Rückens.

Umbau 13. Jahrhundert
In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erfolgte dann ein großräumiger und weitläufiger Umbau durch die Grafen von Tirol. Die Lage in Rasen war verwaltungstechnisch zur damaligen Zeit und hinauf bis ins 17. Jahrhundert von wesentlicher Bedeutung. So gehörte zum Gericht Rasen und Altrasen damals neben Antholz, Neunhäusern und Nasen auch die Pfarrei Olang mit den jeweiligen Dörfern. Deshalb lässt sich auch die Größe dieser Anlage erklären und der besagte Umbau in eine Vogteiburg, sprich eine Burg, die verwaltungstechnischen Aufgaben nachging und nicht mehr reinen Wehrcharakter besaß, macht somit auch viel mehr Sinn.

Änderungen im 16. Jahrhundert
Die Anlage wurde dann nochmals mit der Übernahme der Grafen von Welsperg strukturtechnisch abgeändert. Die Burg selbst so wie wir sie heute sehen ist sozusagen mit dieser Zeitphase identisch. Man verkleinerte die Anlage von Westen her, und baute sie gegen Osten her neu und vergrößert auf. Das wichtigste Merkmal dabei war die Umfunktionierung der Burg in eine wohnbare Anlage sprich man errichtete einen Wohntrakt, um auf der Burg komfortabel leben zu können.

Über Altrasen
Ursprünglich war Rasen im Besitz des Hochstifts Brixen, also bischöflicher Besitz. Dies lässt sich auf die Zeit um 1091 zurückverfolgen. Die Zone, in welcher Rasen liegt, also Rasen und das Olanger Becken wiesen bereits zu dieser Zeit eine wichtige Rolle auf. Bis ins 18. Jahrhundert hinein wurde das Korn, welches dort angebaut wurde, als von ausgezeichneter Qualität bezeichnet. Bezeichnet wurde Rasen zur damaligen Zeit als „Resine“ und auch das Hochstift konzentrierte die Güterverwaltung im Pustertal auf diesen Punkt. Effektiv genannt wird eine Burg in Rasen erst 1214 als „Catro Raesine“, der Bau dieser Anlage selbst jedoch erfolgte sicherlich bereits im 12. Jahrhundert. Zusammen mit der St. Michelsburg erscheint die Burg in wichtigen Verträgen und weist somit auch auf die Wichtigkeit als sogenannten Dinkelsprengels des Hochstifts hin. Bereits hier finden wir den Grund, weshalb Rasen auch noch 400 Jahre später als Gericht eingetragen war.

Wer waren die Besitzer?

Noch bevor die Grafen von Tirol als Vögte für Rasen eingesetzt wurden, war Rasen im Besitz der Grafen von Andechs. Diese setzten als Ministeriale, sprich als Verwalter, die Herren von Rasen ein. Leider ist die Herkunft dieses Geschlechtes nicht dokumentiert, jedoch gibt es 1182 eine Erwähnung eines Gotscalcus de Raesine, welcher als Ministeriale der Grafen von Andechs bestätigt ist. Diese wurden 1209 geächtet und verloren dadurch die Hoheitsrechte im Pustertal. Die Grafschafts- und Vogteirechte wurden dann an die Grafen von Tirol übertragen. Das Hochstift Brixen behielt sich das Recht vor, bei der Besetzung der Verwalter Mitspracherecht zu haben. 1241 wird Rudolf von Rasen, Gefolgsmann von Albert von Tirol, als Vogt erwähnt. Meinhard der II. der Nachfolger von Albert, wurde der lehensrechtliche Status übertragen. Zu dieser Zeit, wir befinden uns ca. in den 30er-Jahren des 13. Jahrhunderts wurde auf der gegenüberliegenden Talseite Neurasen erbaut. Die Bedeutung der Burg Altrasen selbst lässt sich z.B. an der Tatsache belegen, dass sie zusammen mit der Michelsburg, Tarasp, Montani, Lichtenberg und Landeck im Jahre 1259 von Meinhard II. seiner Frau Elisabeth von Bayern als Morgengabe verschrieben wird. Elisabeth verzichtet dann 1271 bei der Teilung der Herrschaftsbereiche Tirol und Gröz zugunsten ihres Schwagers Albert II. von Görz auf Rasen und die Michelsburg.

Luftaufnahme von Norden nach Süden der Burganlage. Rechts Niederrasen und am oberen Bildrand die Indurstriezone Olang Rasen.

Somit bleibt nun bis zum Jahre 1500 die Burg im Bestiz der Grafen von Görz. Bleiben wir im Jahre 1500, in welchem Maximilian die Grafschaften Tirol und Görz vereint. Hier kommt es dann zu einer Verpfändung der Anlage für 2.500 Gulden an Michael von Wolkenstein. Im Jahre 1520 wird bereits berichtet, dass das Schloss schon ganz „paufällig“ sein soll. 1532 wird für 6.000 Gulden die Burg mit Herrschaft, jedoch ohne dem Gericht an Oswald von Wolkenstein, Bruder des Michael, verpfändet. Hans von Wolkenstein, Nachfolger Oswalds tritt dieser die Burg an Christoph Sigmund von Welsperg ab. Die Burg bleibt dann im Besitz dieser Familie, bis diese ausstirbt. Man bewohnt die Burg im Jahre 1566 jedenfalls nicht mehr ständig, sondern siedelte ins Dorf in das heutige Widum. Dadurch scheint es an der Anlage zu einem langsamen Verfall zu kommen. Erst 1599 wird die Burg einem anderen Zweck umgewidmet, sie soll ein Gefängnis werden und ein Wohnbereich für einen Wärter geschaffen werden. Dazu begab man sich 1598 zur Besichtigung auf die Anlage und aufgrund der immensen Baufälligkeit wurde durch eine Komission beschlossen, dass ein Wiederaufbau nicht sinnvoll sei wegen der zu hohen Kosten. Durch diese Beurteilung wurde das Schicksal der Anlage besiegelt und diese dem Verfall preisgegeben. (JR)