Die Wirtschaft in Rasen-Antholz

Pflege der Erinnerungskultur
10. Oktober 2019
Matthias Grunser aus Terenten
10. Oktober 2019
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Die Wirtschaft in Rasen-Antholz

Vor einigen Monaten fiel die Entscheidung, dass die Gemeinde Rasen-Antholz die Ausrichtung der Biathlon-Bewerbe bei den Olympischen Winterspielen 2026 übernehmen darf. Ein denkwürdiges Ereignis, das große Auswirkungen auf die Wirtschaft des Antholzertals und weit darüber hinaus haben wird.
Montag, 24. Juni 2019 – ein Tag, der wohl in die Geschichte Südtirols eingehen wird: Das Internationale Olympische Komitee hat den italienischen Bewerbern Mailand und Cortina die Austragung der Olympischen Winterspiele 2026 zugesprochen. Exakt 70 Jahre nach Cortina und 20 Jahre nach Turin wird das weltgrößte Wintersportevent nun wieder in Italien ausgetragen. Und zum ersten Mal wird auch Südtirol Schauplatz einiger Sportbewerbe der Spiele sein, denn im Biathlon werden sich die teilnehmenden Athleten in Antholz messen. Landeshauptmann Arno Kompatscher hat diese erstmalige Vergabe von Olympischen Spielen nach Südtirol sogar als „historischen Moment“ bezeichnet. Von einem unschätzbaren Werbeeffekt war die Rede und dass dieses Ereignis einen allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung bringen wird, ist sowieso klar. Antholz, wo im kommenden Jahr die Biathlon-Weltmeisterschaft ausgetragen wird, ist auf alle Fälle bereit, die Spiele auszurichten. Auch in Bezug auf die Nachhaltigkeit kann bereits jetzt gesagt werden, dass für die Olympischen Spiele in Antholz 2026 keine großen Neubauten vorgesehen sind – im Gegenteil: Die Strukturen und Anlagen in Antholz sind hervorragend für die Herausforderung der Winterspiele 2026 ausgerichtet; sie sind bereits auf dem neuesten Stand und werden keine großen Eingriffe benötigen. Nichtsdestotrotz werden Investitionen bei den Infrastrukturen zu tätigen sein; dazu zählen Projekte wie die Riggertalschleife, die Umfahrung von Percha und die Verdichtung des öffentlichen Nahverkehrs, die in den kommenden Jahren angegangen werden müssen. Denn stattfinden werden die 25. Olympischen Winterspiele vom 6. bis 22. Februar 2026. Antholz ist jedenfalls bereit für die Spiele. Die Weltmeisterschaft im nächsten Jahr kann gut und gerne schon als erster Test für die Olympischen Spiele 2026 gesehen werden, schließlich findet sie in einer Infrastruktur statt, die bereits auf internationaler Ebene als beispielhaft angesehen wird. So bleiben noch ganze sechs Jahre Zeit, um sich in Ruhe auf das größte Sportereignis aller Zeiten in Südtirol vorzubereiten. Die Organisationsmaschinerie ist dank der im Laufe der Jahre gesammelten großen Erfahrung jederzeit einsatzbereit. Im Antholzertal freut man sich jedenfalls auf die Austragung der Olympischen Spiele und man ist stolz darauf, Teil dieses großartigen Abenteuers zu sein.

Schub für die Wirtschaft
In den kommenden sechs Jahren werden sich die Olympischen Spiele in der Wirtschaft des Antholzertals bemerkbar machen, die von Tourismus, Handel, Handwerk sowie der Dienstleistungs- und Energiesektor geprägt ist. Was alle Sektoren verbindet, sind die beeindruckende Naturlandschaft mit ihren wertvollen Ressourcen und das Engagement der Bewohner dieses schönen Tales. Als Ferienparadies und Biathlon-Mekka hat sich das Gemeindegebiet von Rasen Antholz schon lange einen Namen gemacht, die Olympischen Spiele werden diesen natürlich nach und nach weit in die Welt hinaus tragen. Dieser beachtliche Marketingeffekt ist nicht nur für Südtirol als Sportland wichtig, sondern auch der Tourismus, der Dienstleistungssektor, die lokalen Wirtschaftskreisläufe und das Handwerk können und werden von den Winterspielen 2026 profitieren. Eine große Chance nicht nur für Antholz also, sondern fürs ganze Land, sich von seiner besten Seite zu zeigen und unter Beweis zu stellen, dass Südtirol sportliche Großveranstaltungen mit Kompetenz und Erfahrung ausrichten kann.

Touristische Auswirkungen
Touristisch ist das gesamte Antholzertal gut erschlossen und als Feriendestination äußerst beliebt. Am malerischen Taleingang liegen die Ortschaften Niederrasen und Oberrasen, in deren Hintergrund die schneebedeckten Spitzen des Hoch- und des Wildgall aufragen. Gleich anschließend an seine ausgedehnte, landschaftlich gepflegte Vorebene schlängelt sich das Antholzertal kilometerlang bis hinauf zum Staller Sattel. Über eine breite Talmulde erreicht man zunächst die ansteigenden Ortschaften Antholz-Niedertal, Antholz-Mittertal und Antholz-Obertal. Ab hier windet sich die Straße durch eine wildromantische Landschaft: Auf eine kurze Schlucht folgt schließlich eine freundliche Mulde mit einem schimmernden Kleinod, dem Antholzer See. Er ist wohl einer der schönsten Naturseen im Land. Im Winter und im Frühjahr bedeckt ihn eine glitzernde Eisfläche. Ab hier steigt das Gelände bis zum Staller Sattel auf 2025 Metern Seehöhe stark an. Diese Staatsgrenze zu Österreich ins Osttiroler Defereggental ist von Mitte Mai bis Ende Oktober geöffnet und kann von früh morgens bis spät abends einspurig und durch Ampeln geregelt, befahren werden. Durch diesen Übergang hatten und haben die Pustertaler Bauern Zugang zu ihren Almen jenseits der heutigen Staatsgrenze, um hier ihre seit Jahrhunderten verbrieften Weiderechte zu nutzen. Heute wird der Staller Sattel nicht nur als Übergang, sondern vor allem auch als beliebtes Ausflugsziel wahrgenommen: Hier tummeln sich in den Sommermonaten unzählige Wanderer, Rad- und Motorradfahrer, die eine bezaubernde Natur genießen wollen. Die Natur- und Kulturlandschaft, die man bei der Fahrt durchs Antholzertal durchquert, ist beeindruckend und zieht nicht nur Einheimische in ihren Bann. Viele Tagestouristen, aber auch unzählige Gäste die länger verweilen, schätzen das Antholzertal für sein unvergessliches Landschaftsbild. Diese landschaftliche Schönheit und das reiche Angebot bilden ein Gesamtpaket, das für jeden etwas bereithält, denn hier gibt es unzählige Möglichkeiten, seinen Urlaub erlebnisreich zu gestalten. Gleichgültig, ob weit, ob hoch, ob sportlich ambitioniert oder beschaulich und verträumt, ob kulturbeflissen oder einfach naturbegeistert. Und das lieben die Gäste aus Nah und Fern. Aufbauend auf einer tüchtigen Landwirtschaft, die als Produzent hochwertiger Lebensmittel, aber auch als Pfleger der Kulturlandschaft eine tragende Säule darstellt, hat sich der Tourismus mit einer Vielzahl an Unterkunftsmöglichkeiten gut entwickelt. Im Winter sind die Aufstiegsanlagen am Kronplatz und das Langlauf- und Biathlonzentrum in Antholz Obertal das Fundament des touristischen Angebots. Im Sommer findet sowohl der aktiv- als auch der erholungssuchende Gast vielfältige Möglichkeiten, ob am Antholzer See oder in den Bergen des Naturparks Rieserferner-Ahrn. Mit ungefähr 3.500 Betten und ca. 440.000 Nächtigungen ist der Tourismus somit das Zugpferd in der Wertschöpfungskette. Seit Langem schon spielt dieser in Rasen-Antholz diese zentrale Rolle. Dabei geht es nicht allein um Gäste, Gästebetreuung und Beherbergung; im Endeffekt geht es um Arbeitsplätze, Wohlstand, Einkommen. Mitunter ein Grund dafür, warum es im Antholzertal eine erfreulich niedrige Arbeitslosenquote gibt. Diese wird noch weiter sinken, dann die Winterolympiade wird vor allem auch touristische Auswirkungen haben. Darüber hinaus hat das Antholzertal und damit das gesamte Pustertal durch die Austragung der olympischen Wettbewerbe die Chance, sich als vielfältige Wintersportregion der Weltöffentlichkeit zu präsentieren.

Langlauf- und Biathlonparadies
Eigentlich ist Antholz schon jetzt weitum bekannt – vor allem in Sportlerkreisen. Seine Langlauf- und Biathlon-Infrastrukturen sind mehr als nur vorzeigbar, weshalb im Biathlonzentrum von Antholz-Obertal auch alljährlich die Biathlon Weltcup-Wettkämpfe mit unzähligen Besuchern stattfinden. Und auf den Spuren der Weltmeister können Einheimische und Touristen alljährlich das Antholzertal auf Langlaufskiern erkunden und dabei die herrliche Bergkulisse genießen. 2020 wird in Antholz wieder die Weltmeisterschaft ausgetragen. Dann kämpfen in der Südtirol Arena wieder Athleten aus aller Welt vor einer einzigartigen Bergkulisse um den Sieg. Die Planung, Organisation und Ausführung solcher sportlichen Großereignisse in der Südtirol Arena in Antholz beschäftigt eine große Zahl an Mitarbeitern, freiwilligen Helfern und Einsatzkräften. Als beeindruckender Erfolg dieser Veranstaltungen sind auch der starke Rückhalt seitens der Bevölkerung sowie der große Zusammenhalt und die Gastfreundlichkeit der über 900 freiwilligen Mitarbeiter zu verbuchen. Zudem wird stets größtes Augenmerk darauf gelegt, dass sich Fans und Besucher rundum wohl fühlen: Sie sollen optimalste Bedingungen vorfinden, eine perfekte Organisation sehen und last but not least sich im Antholzertal eine Woche lang bestens unterhalten. Antholz ist schließlich zum Publikumsmagnet avanciert und man empfängt bei Veranstaltungen wie beispielsweise dem Weltcup bis zu 65.000 Zuschauer.

Engagement in Handwerk und Handel
Auch für das Handwerk werden die Vorbereitungen auf die Olympischen Winterspiele in den kommenden Jahren spürbar sein. Dieser Wirtschaftszweig ist im Antholzertal relativ breit aufgestellt. Mit der Ausweisung der Handwerkerzonen in Rasen und Antholz ab den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts hat sich das Handwerk, insbesondere das Baugewerbe, zu einem wichtigen Arbeitgeber in der Gemeinde mit vielen Klein- und Mittelbetrieben entwickelt. Im ganzen Pustertaler Raum und darüber hinaus werden die handwerklichen Fähigkeiten der zumeist als Familienunternehmen geführten Betriebe aus Rasen-Antholz geschätzt. Bedingt durch die Weltwirtschaftskrise vor ein paar Jahren, hat der Strukturwandel in einigen Branchen seine Spuren hinterlassen: Dieser führte in den vergangenen Jahren zu Rationalisierungen und sichtbaren Veränderungen in den Handwerkerzonen. Und auch der Handels- und Dienstleistungssektor muss in den schnelllebigen Zeiten von heute wandelbar sein und sich der Nachfrage anpassen. Im Bereich Handel bzw. Einzelhandel bedingt die zum Teil periphere Lage einige Wettbewerbsnachteile. Diese werden durch persönlichen Fleiß und das Engagement der Handelstreibenden allerdings bestmöglich kompensiert, um ein interessantes Angebot für den Einheimischen als auch Feriengast zu bieten. Bestimmten Betrieben in der Lebensmittelverarbeitung ist es aufgrund ihrer Spezialisierung auf regionale und authentische Produkte gelungen, internationale Aufmerksamkeit und entsprechende Auszeichnungen zu erhalten. Sowohl hinsichtlich der Wertschöpfung aber auch aufgrund der strategischen Bedeutung ist der lokale Energiesektor wichtiger Baustein im Wirtschaftsgefüge. Der Bedarf an thermischer als auch elektrischer Energie kann in Rasen-Antholz zur Gänze aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt werden. Neben der Stromproduktion aus Wasserkraft bilden auch die zwei Fernheizwerke auf Biomassebasis eine tragende Säule, welche mehr Gestaltungsfreiheit bei der künftigen wirtschaftlicher Entwicklung ermöglichen. (SH)