„Auf Nadeln“
3. September 2021
Cooles Benefiz-Event
3. September 2021
Alle anzeigen

Mosaik aus Kulturen

Bruneck – Unter dem Titel „UNSERE WELT – Kultur(en)wochen in Bruneck“ werden vom 3. bis zum 17. September zahlreiche Veranstaltungen unterschiedlicher Kulturen geboten. Im Interview verraten Stadträtin Ursula Goldwurm und der Vorsitzende des Beirates für Integration und Migration (BIM) Leon Pergjoka, was die Besucher alles erwartet.

Puschtra: Frau Goldwurm, im September wird es die zweiten Kultur(en)wochen in Bruneck mit einem abwechslungsreichen Programm geben. Auf welches Kultur-Event freuen Sie sich besonders?
Ursula Goldwurm: Ich bin der Meinung, dass jede Veranstaltung der Kultur(en)wochen, so wie sie geplant sind, an sich ein Höhepunkt ist. Es lohnt sich sicher hinzugehen und an den verschiedenen Angeboten teilzunehmen. Man kann wirklich von einem Mosaik sprechen, wo jeder Stein an sich wichtig ist, damit sich ein Gesamtbild ergibt.

Die Kultur(en)wochen sind ein Gemeinschaftsprojekt. Wer hilft alles mit, diese Veranstaltung auf die Beine zu stellen?
Leon Pergjoka: Federführend ist der Beirat für Integration und Migration (BIM), der als Impulsgeber fungierte und für die Umsetzung zuständig ist. Organisatorisch ist uns die Stadtgemeinde und die Stadtbibliothek zur Seite gestanden. Die Hauptakteure sind die Vereine und ehrenamtlich Tätigen, denen ein besonderer Dank gilt für ihren Einsatz und Leidenschaft.

Der gemeinsame Nenner der Veranstaltung ist der Austausch zwischen den Kulturen. Welche verschiedenen Lebenswelten können die Besucher kennenlernen?
Leon Pergjoka: Ich denke man darf diesen „Austausch“ nicht so verstehen, als gingen verschiedene isolierte „Kultur-Blöcke“ aufeinander zu, sondern man muss hier Kultur und Kulturen als etwas Lebendiges und im ständigen Austausch verstehen. Der Kulturbegriff wird zu oft als etwas Festes und Unbewegliches gesehen, dabei ist er doch fluide, formbar und in ständiger Entwicklung. Bei den Kultur(en)wochen geht es darum gemeinsam zu erleben, zu lachen, Zeit zu verbringen, zur Diskussion und Reflexion anzuregen. Ich denke ein Gefühl, eine gemeinsame Erfahrung bringt uns manchmal viel näher zusammen, als es ein Gespräch tun kann. Genau (auch) dazu bieten diese Wochen die Möglichkeit, indem sie das Kulturelle, die Kunst, das Spiel, die Diskussion usw. in den Mittelpunkt rücken und so verschiedene Lebenswelten aufzeigen. Die Vereine sind das beste Beispiel für gelebte Integration, denn es gibt kaum einen Verein, der nicht aus mehreren Kultur- und Sprachgruppen zusammengesetzt ist. Es geht auch darum, den Integrationsprozess als einen gesamtgesellschaftlichen Auftrag zu verstehen und für eine friedvolle und respektvolle Zukunft bewusst zu machen. Schließlich sind diese Wochen auch dazu da, um diesen Vereinen und den ehrenamtlich Tätigen herzlichst für ihr Engagement und ihr große Leistungen, die sie oft im Stillen erbringen, zu danken.

Was kann Ihrer Meinung nach alles entstehen, wenn sich Menschen verschiedener Kulturen austauschen?
Ursula Goldwurm: Ich glaube es geht nicht darum was entstehen kann, im Sinne eines Ergebnisses, sondern es geht darum den Prozess in dem wir uns ständig befinden zu verstehen und uns bewusst zu machen. Und es liegt an jeden einzelnen von uns, dass dieser Prozess friedvoll und im gegenseitigen Respekt verläuft.

Vor kurzem sind 80 Menschen aus Afghanistan bei uns in Südtirol eingetroffen. Was wünschen Sie diesen Menschen?
Ursula Goldwurm: Die Situation in Afghanistan macht mich traurig und ratlos. Zum wiederholten Male ist die Zivilbevölkerung die leidtragende und wieder müssen Familien, Kinder, Frauen und Männer unter menschenunwürdigen Bedingungen ihre Heimat hinter sich lassen und sind gezwungen sie für eine ungewisse Zukunft einzutauschen. Ich wünsche den Menschen aus Afghanistan, dass sie bei uns einen sicheren Ort finden, wo sie durchatmen und Kraft schöpfen können. Für ihre Heimat wünsche ich ihnen, dass die Verantwortlichen so agieren, dass ein Miteinander und menschenwürdiges Leben dort bald wieder möglich sind. (TL)