Jiu-Jitsu im Pustertal

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Jiu-Jitsu im Pustertal

Bruneck/Sand in Taufers – Matteo Parolin stammt aus Bruneck und praktiziert seit einigen Jahren die Kampfsportart Brasilian-Jiu-Jitsu, wo er zu den absolut Besten in Italien zählt. 2017 gründete er mit nur 21 Jahren in Bruneck einen Jiu-Jitsu Verein, seither führt er Kinder, Jugendliche und Erwachsene in die alte japanische Kampfkunst ein.

Jiu-Jitsu ist eine der ältesten Kampfsportarten der Welt und wurde von den japanischen Samurai-Kriegern als Form der waffenlosen Selbstverteidigung entwickelt. Das brasilianische Jiu-Jitsu ist eine Mischform des klassischen Jiu-Jitsus und Judo. Es ist Anfang des 20. Jahrhundert entstanden, als 1920 ein japanischer Jiu-Jitsu Meister nach Brasilien migrierte, um dort zu arbeiten. Ein ansässiger Funktionär half dem Mann bei seiner Einreise mit den Papieren und eine Anstellung zu finden, im Gegenzug versprach der Japaner die Kinder des Mannes in Judo und in der Kunst der Selbstverteidigung zu unterrichten. Daraus entwickelte sich die brasilianische Form des Jiu-Jitsus.

Um seinen Konkurrenten zu besiegen, werden im Jiu-Jitsu effektive Hebel-, Gelenk- und Würgetechniken angewendet, dabei wird der gesamte Körper eingesetzt: An Ellenbogen, Hand, Schulter, Hals, Fuß wird angepackt und gezogen und gehoben. Während beim herkömmlichen Judo der Kampf zu Ende ist, wenn ein Judoka mit den Schultern am Boden ist, liegt der Fokus vom brasilianischen Jiu-Jitsu auf dem Bodenkampf; „Da geht es erst richtig zur Sache“, erklärt Matteo Parolin. Der 25-jährige Bruneckner ist amtierender Italienmeister im Brazilan-Jiu-Jitsu, abgekürzt kurz „BJJ“. Mit 15 Jahren hat Matteo in Bruneck mit Judo angefangen und wollte eigentlich MMA-Fighter werden. Sein großes Vorbild war MMA-Champion, der über den er auch Umwegen auf Jiu-Jitsu gestoßen ist: „Ich habe eine Dokumentation über Alessio Sakara geschaut, bei der ehemals beste italienische Mixed Martial Artist auch in Brasilien war und dort Jiu-Jitsu gekämpft hat.“

Nach der Matura ist Matteo zum Studieren nach Wien gezogen und hat dort mit seiner Sportart angefangen. Später ist er nach Trient gewechselt und praktiziert im dortigen Verein weiterhin Jiu-Jitsu. Schließlich hat er 2016 in Bruneck seinen heutigen Lehrmeister Massimo Brunetti getroffen, einen Schwarzen Gürtel im Jiu-Jitsu, der aus Arbeitsgründen von Rom nach Bruneck gezogen war. „Als ich ihn Wien mit BJJ angefangen habe, gab es in ganz Österreich nur fünf Schwarze Gürtel im Jiu-Jitsu. Laut Statistik schaffen es nur zwei Prozent jemals das Level eines Schwarzen Gürtels zu erreichen“, erzählt Matteo. Zuhause in Bruneck gab es bis vor einigen Jahren keine Szene im Jiu-Jitsu, zusammen mit zwei Freunden hat Matteo ab und zu gekämpft und trainiert: „Logischerweise kannst du allein eine Kampfsportart nicht ausüben“, sagt er.

Mit eben diesen zwei Kollegen hatte Matteo die Idee einen Verein zu gründen und Jiu-Jitsu in Bruneck salonfähig zu machen. Gesagt – getan, seit 2017 gibt es den Verein „Tribe Jiu-Jitsu“ in Bruneck, einen Ableger der aus Rom stammenden Jiu-Jitsu Akademie von Federico Tisi. Matteos Verein ist der erste und einzige seiner Art in ganz Südtirol. Trainiert wird in der Turnhalle in Dietenheim und Sand in Taufers, wo im letzten Jahr ein neues Jiu-Jitsu Zentrum, samt eigenem Cross-Fit Raum, entstanden ist. Matteo arbeitet in Teilzeit in Büro eines Bruneckner Unternehmens und widmet seine restliche freie Zeit ganz dem Sport. Unterstützt wird er dabei auch von der Südtiroler Sporthilfe. Fast täglich ist er von 15 bis 22 Uhr auf der Matte, trainiert selbst und unterrichtet Kinder und Erwachsene. „Jeder kann Jiu-Jitsu machen“, sagt er „von vier bis einhundert Jahren“.

Sein Verein zählt bereits um die 50 aktive Mitglieder, von jung bis alt ist alles dabei. Neben dem klassisch brasilianischen Jiu-Jitsu werden in Bruneck und Sand in Taufers auch Selbstverteidigungskurse angeboten, was besonders von vielen jungen Frauen wahrgenommen wird. Aus dem japanischen übersetzt bedeutet Jiu-Jitsu so viel wie „Die Kunst der Selbstverteidigung ohne Waffen“ oder auch „Die Kunst des Nachgebens“.

Das zentrale Element dabei ist es, die Kraft des Angreifers gegen ihn selbst zu nutzen und ihn unter Kontrolle, bzw. unschädlich zu machen. „Mit der richtigen Hebeltechnik kann ein 55 Kilogramm schwere Frau einen 80 Kilogramm schweren Mann auf den Boden lupfen!“, erklärt Parolin. Nach dem Studium hat Matteo seine eigene Laufbahn forciert und sein Training intensiviert. In den letzten Jahren hat er bereits erfolgreich an verschiedenen Turnieren teilgenommen.

Mailand, Rom, Lissabon, München, Wien, Serbien oder Moldawien sind Orte, wo Matteo und seine Brunecker Mitstreiter Alex Lorenzi und Christian Zecchetto durch ihren Sport bereits hingekommen sind. Matteo hat sich zum Violetten Gürtel nach oben gearbeitet, ist siebenfacher Italienmeister in seiner Kategorie Superschwergewicht von 94 bis 104 Kilogramm, als auch in der absoluten Klasse und hat es bis zur Europameisterschaft geschafft. Sein großes Ziel sei es aber sich für die Weltmeisterschaften, die alle zwei Jahre in Las Vegas stattfinden, zu qualifizieren.

„Die Qualifikation läuft auf kontinentaler Ebene ab und ist daher ziemlich schwierig. Letztes Mal bin ich knapp gescheitert, im nächsten Jahr werde ich es erneut versuchen!“, zeigt sich Parolin kämpferisch. Neben Technik-Training, der verschiedensten Griffe, Verteidigung und Angriffsvarianten, besteht ein großer Teil im Training von Parolin im Krafttraining, seine 100 Kilogramm Muskelmasse muss er nämlich halten, um in der Kategorie gute Chancen zu haben. Brasilianisches Jiu-Jitsu wird nochmals in zwei Arten unterteilt: Die traditionelle „Gi“ Variante und die neuere „NoGi“ Ausführung, bei der traditionelle „Kimono“ getragen wird und somit Ansatzpunkte der Griffe auf der Kleidung nicht möglich sind.

Matteo übt beide Formen aus. Auch den Schwarzen Gürtel will sich Matteo abholen, dafür gibt es nicht etwa eine Rangliste oder ein Punktesystem; ob er eine Klasse aufsteigen darf, entscheidet einzig und allein sein Lehrmeister. „Eines Tages werde ich so weit sein, dafür arbeite ich hart, denn ich lebe für Jiu-Jitsu!“, verspricht Matteo Parolin. (MT)