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Kultur, eine Bereicherung

Vor kurzem fand auf Schloss Neuhaus ein großes Fest der Kultur statt. Ein stimmungsvoller Auftakt für das Organisationsteam, den Arbeitskreis Kulturweg Gais, der nach einer längeren Pause und seiner neuen Formierung wieder tatkräftig durchstartet.

2006 ist der Arbeitskreis Kulturweg Gais von Josef Duregger, Alfred Mair und Albert Willeit ins Leben gerufen worden. Auf ihre Initiative hin ist in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Gais vor ca. 15 Jahren ein Kulturweg entstanden, der vom Gasthof „Sonne“ hinauf zu Schloss Neuhaus und weiter zum barocken Pflegerhaus führt. Die Idee dahinter war, durch diesen Rundweg berühmte Persönlichkeiten, die mit Gais in Verbindung standen, zu würdigen. So zum Beispiel der Minnesänger Oswald von Wolkenstein, die Bildhauer Heinrich und Franz Bacher, der Dichter Ezra Pound sowie dessen Tochter Mary de Rachewiltz. Auch beim kürzlich stattgefundenen Kulturfest auf Schloss Neuhaus wurde an diese Persönlichkeiten erinnert. „Der Kulturweg ist vor einiger Zeit an die Gemeinde übertragen worden; und damit auch die Verantwortung für die Instandhaltung des Weges und der Kunstwerke, die den Weg säumen“, erklärt Albert Willeit, Gründungsmitglied des Arbeitskreises. Damit und mit den letzten großen Kunstausstellungen in Gais im Jahr 2019 hat sich sozusagen ein Kreis geschlossen und einige Mitglieder des Arbeitskreises haben ans Aufhören gedacht. Als dann noch die Corona-Pandemie die Kulturtätigkeit zum Erlahmen brachte, ist Stillstand eingekehrt im AK Kulturweg Gais – bis sich Anfang dieses Jahres wieder ein Teil der ursprünglichen Gruppe und weitere Kulturinteressierte zusammengeschlossen haben. Mit frischem Elan hat sich der neu formierte Arbeitskreis mit Erna Holzer, Hans Peter Lercher, Alfred E. Mair, Elisabeth Niederwolfsgruber, Sabine Renzler, Ulrike Trojer und Albert Willeit etliche Ziele gesetzt. Diese nehmen auch schon konkret Form an: „Wir müssen natürlich zunächst schauen, wie sich unsere Tätigkeit entwickelt. Aber geplant wäre noch für dieses Jahr eine Buchvorstellung mit Siegfried de Rachewiltz. Er hat eine Art Bilderchronik über Pound & Tirol verfasst, beginnend mit Mutter Mary, die in Gais aufgewachsen ist. Siegfried hat uns für eine Lesung in Gais zugesagt.“ Auch fürs nächste Jahr gibt es für den Arbeitskreis einiges zu tun. So beispielsweise will man die Gemeinde bei der Ausarbeitung eines Konzepts unterstützen, wie das Erdgeschoss des barocken Pflegerhauses mit Kultur und Leben gefüllt werden kann. „Die Räumlichkeiten wurden auf Initiative des Arbeitskreises Kulturweg Gais von der Gemeinde Gais angekauft. Eine wichtige Investition in die Erhaltung unserer Geschichte und in die kulturelle Entwicklung unseres Ortes“, bringt es Albert Willeit auf den Punkt.

Gelungene Auftaktveranstaltung
Albert Willeit berichtet von einem Phänomen, das hierzulande ziemlich verbreitet ist: Nicht selten wird der anspruchsvolleren Kultur auf Dorfebene kaum oder zu wenig Platz eingeräumt. „Dabei wäre es wichtig, dass Literatur, Musik und bildende Kunst ihre Daseinsberechtigung haben, schließlich entwickeln wir uns dadurch weiter“, so Willeit. Kultur ist nicht nur Erbe und eine schöne Beschäftigung, sie kann mit Fug und Recht auch als ernstzunehmender Wirtschaftsfaktor gesehen werden. Allein schon im Tourismus wirkt sich Kultur in hohen Maßen aus. Und Gais hat diesbezüglich einiges zu bieten. Doch damit Kultur im Ort angeboten, bespielt oder gemacht werden kann, braucht es Menschen, die bereit sind, Zeit und Energie zu investieren. „Man braucht Menschen, die mitarbeiten, um Kultur von Qualität unter die Menschen zu bringen“, sagt Albert Willeit. Umso mehr hat ihn das große Interesse am Kulturfest auf Schloss Neuhaus gefreut. „Es war ein sehr gelungenes Fest“, freut er sich rückblickend, „allein die Teilnehmerzahl – es waren über 130 Teilnehmer:innen – darf als Bestätigung gewertet werden, dass Kultur für viele Menschen von großem Wert ist.“ Als erstes stand die gemeinsame Begehung des Kulturwegs auf dem Programm. Dabei wurden die Kunstwerke von Wilma Kammerer, Annemarie Laner und Julia Bornefeld entlang des Kulturweges erklärt. Bei Schloss Neuhaus angekommen, erläuterte Burgenexperte Florian Ebert die Geschichte von Schloss Neuhaus, anschließend führte der Burgbesitzer Siegfried Hofer durch die alten Gemäuer. Elisabeth Niederwolfsgruber und Markus Schwärzer lasen Texte von Oswald von Wolkenstein und Mary de Rachewiltz. Alfred E. Mair spielte Eigenkompositionen mit Texten von Ezra Pound. Benno Heel trug Originaltexte von Wolkenstein in mittelhochdeutscher Sprache vor. Somit war es ein Kulturfest mit breitgefächertem Programm: Es gab Vorträge, Texte und stimmungsvolle Musik der Gruppe Aulang. Eine besondere Veranstaltung, organisiert vom Arbeitskreis Kulturweg Gais mit Unterstützung des Tourismusvereins Bruneck und des Bildungsausschusses Gais, die Lust auf mehr macht; mehr Kultur, und das nicht nur am Wegesrand.

SH

Nachgefragt

Kultur auf Dorfebene

Erna Holzer
Mitglied vom Arbeitskreis Kulturweg Gais.

Wie wichtig ist Kultur auf Dorfebene?
Ich halte Kulturarbeit in einem Dorf für sehr wichtig. Es muss darum gehen, neben der Pflege der regional gewachsenen Volkstumskultur auch neue, innovative kreative Räume zu eröffnen. Es gilt, das Potential des Ortes zu nutzen und daraus Neues entstehen zu lassen. Kultur in einem Dorf soll gemeinschaftsfördernd sein, dazu beitragen, dass Menschen ins Gespräch kommen und sich austauschen. Die Dorfbevölkerung wird immer heterogener, Kulturangebote müssen das wiederspiegeln.

Inwiefern kann Kultur zu einer höheren Lebensqualität beitragen?
Ich denke, wir Menschen brauchen Orte und Zeiten, wo es nicht um materiellen Nutzen und bloßes Funktionieren geht, sondern um unsere inneren Freuden und Interessen. Ein Kulturangebot zu nutzen, kann bedeuten, sich Themen zu widmen, die einen persönlich bereichern, die uns Neues erfahren lassen, die uns die Welt um uns besser verstehen lassen. Und dazu auch anregen zu reflektieren, zu staunen, sich zu unterhalten und sich wohlzufühlen. All das sind Faktoren, die Menschen Lebensfreude schenken.

Kultur kann unter anderem auch als Wirtschaftsfaktor gesehen werden. Könnte das auch auf Gais zutreffen?
Der wirtschaftliche Niederschlag von Kultur ist nicht einfach zu messen und es greift zu kurz, nur vor allem die touristische Vermarktbarkeit von Veranstaltungen zu beurteilen. Aber ich bin mir sicher, ein kulturell abwechslungsreicher und lebendiger Ort trägt dazu bei, dass sich Menschen und Gäste in einem Dorf wohlfühlen. Das soziale Miteinander wird gestärkt, Menschen ‘verorten‘ sich und bleiben dem Umfeld als Arbeitskräfte erhalten. SH