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Bücher sind kostbare Schätze

Seitenweise weise Seiten bietet der Buchladen in Bruneck. Er feiert sein 25-jähriges Bestehen. Der Gründer Hans Nöckler erzählt, wie es dazu kam – und die langjährige Mitarbeiterin Thekla Baumgartner, wie es weitergeht.

Herr Nöckler, wie kam es, dass Sie 2001 den Buchladen eröffneten?
Hans Nöckler: Rund 16 Jahre arbeitete ich in Buchhandlungen von Athesia, zuerst in Bruneck und vier Jahre als Geschäftsleiter in Schlanders und dann in Bozen. Im großen Geschäft in Bozen war ich Führungskraft, aber es fehlten mir der Kontakt zu den Kunden und Kundinnen, die Zeit für Bücher. Es war nicht ganz Meins. Also kündigte ich nach zwei Jahren. Ohne Zukunftsplan. Doch die Bücher ließen mich nicht los und so entschloss ich mich, selbst einen Laden zu eröffnen. Freunde und Berater schlugen die Hände übern Kopf zusammen, weil das nicht gut gehen könne. Und schon gar nicht in dem 90 m² kleinen Raum, den ich mir aussuchte. Nun, der Anfang war nicht leicht, die ersten drei Jahre gab es für mich keinen einzigen freien Tag und auch weitere drei Jahre schaukelte ich den Laden allein. Zum Glück war ich immer gesund.

Wie konnten Sie neben der Konkurrenz, ihrem ehemaligen Arbeitgeber, bestehen?
Mein winziger Buchladen war nie eine Konkurrenz zur großen Athesia, schon allein was das Sortiment betrifft. Ich spezialisierte mich auf ausgesuchte Belletristik, Romane, Kinderbücher und versuchte, mit persönlicher Beratung zu punkten und einen Kundenstamm zu gewinnen. Durch verschiedene Veranstaltungen schuf ich einen Bekanntheitsgrad. Das gelang mit Musik-Sessions oder Lesungen, vor allem aber durch Vernissagen. Nun bin ich kein Kunstexperte, aber ich unterstützte gerne Kunstschaffende jeglicher Richtung. So erhielten auch Einsteiger und Nachwuchstalente eine Plattform, ihre Werke in meinem Laden zu zeigen. Diese wiederum gestalteten für mich künstlerische Lesezeichen, die über die Jahre zum Markenzeichen des Buchladens geworden sind. Auch auf die Verpackung für Buchgeschenke – gerne mit Naturmaterialien – legte ich großen Wert. Das alles waren Akzente, die halfen, dass mein Buchladen immer beliebter wurde.

Die individuelle Bestellung von Büchern war ebenso ein Standbein?
Hierzu kamen früher die Kunden meist persönlich in den Laden, dass ich „ihr“ Buch bestellen solle. Die großen Internet-Anbieter gab es damals noch kaum. Es dauerte oft zwei Wochen, bis ich das gewünschte Buch dem Kunden weitergeben konnte, die Ware musste durch den Zoll. Heute kommt das angeforderte Buch innerhalb 24 Stunden in den Buchladen; Online-Bestellungen machen etwa 20 Prozent unseres Buchverkaufs aus.

Und dann kam die Konkurrenz des E-Books?
Nun ja, klarerweise wollte jeder einen E-Book-Reader haben. Dadurch verlor ich eine beträchtliche Anzahl an Viel-Lesern. Auch im Urlaub ist das E-Book nach wie vor beliebt. Der Trend ist jetzt aber eher wieder im Abflauen, sogar junge Leser haben gerne ein gedrucktes Buch in der Hand.

Wie geht es jetzt für Sie weiter?
Seit 2024 bin ich in Rente, der Raetia-Verlag hat den Buchladen übernommen – ein Glücksfall. ‘Mein Kind‘ ist in guten Händen. Jetzt habe ich endlich mehr Zeit zum Lesen. (lacht) Mein Dank gilt den vielen treuen Kunden, die ich 23 Jahre lang in meinem Buchladen bedienen durfte.

Herr Kager, Sie haben als Raetia-Verlag den Buchladen übernommen.
Was ist Ihr Ziel?
Thomas Kager: Ich denke, dass individuelle Beratung und ausgewählte Bücher immer mehr an Wertschätzung gewinnen. Der Buchladen ist ein renommiertes Geschäft, das sich gerade dadurch von anderen abhebt und deshalb auch in Zukunft bestehen kann.

Frau Baumgartner, seit bald 20 Jahren arbeiten Sie im Buchladen. Wie wählen Sie den Buchbestand aus?
Thekla Baumgartner: Wegen des begrenzten Platzes müssen wir die Bücher sehr gezielt einkaufen. Wir haben dann halt nicht 30 Krimis im Laden, sondern nur zehn. Mittlerweile können wir recht gut abschätzen, was unsere Stammkunden gerne lesen. Wir sind das Bindeglied zwischen der Flut an Büchern, die auf dem Markt erscheinen und der Beratung, die wir dem Leser vermitteln.

Sie nehmen sich
viel Zeit für Kundenberatung …
Die Arbeit des Buchhändlers verlangt die Auseinandersetzung mit den Werken. Ich versuche, mir möglichst viel Wissen über ein Buch oder einen Autor anzueignen. Der kleine Buchladen erzeugt eine vertraute Atmosphäre, ermöglicht eine persönliche Auseinandersetzung mit einer Thematik, da gibt es keine Routineabfertigung. Gewiss ist es auch das, weshalb wir seit 25 Jahren bestehen.

Was lesen Sie selbst gerne?
Ich bin eine Querleserin und kann vielen Büchern was abgewinnen, gerne Belletristik, Romanen, Lyrik, Sachbüchern. Ein „gutes“ Buch nimmt mich mit in neue Sichtweisen und Thematiken und bereichert mein Leben in mannigfaltigen Facetten. Was Autoren betrifft, bin ich vielseitig, egal ob Klassik oder Moderne, aber immer wieder gerne Ransmayr und Dostojewski.

Hat das gedruckte Buch noch eine Zukunft?
Durch die schnelllebige Zeit und Unmengen an Geschriebenem in sozialen Medien werden Print-Ausgaben generell weniger gelesen. Zeitungen verschwinden, Buchläden ebenso. Gedruckte Bücher wird es aber weiterhin geben. Ich denke, wir brauchen nicht immer mehr Bücher, sondern sogar weniger, nämlich gut kuratierte, gut geschriebene, lesbare und gut gestaltete, mit inhaltlichem Wert. Bücher sind kostbare Schätze.
IB