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Strategien für zukunftsfähige Wiesen

Das Versuchszentrum Laimburg hat am internationalen Projekt „LegacyNet“ mitgewirkt, bei dem der Einsatz von Saatgutmischungen erforscht wird.

Der Versuchsstandort war eine Wiese in Dietenheim. Die Forschungsergebnisse wurden im Dezember 2025 beim Expertenforum Berglandwirtschaft an der Fachschule für Land- und Hauswirtschaft in Salern vorgestellt. Giovanni Peratoner, Fachbereichsleiter Berglandwirtschaft und Arbeitsgruppenleiter Grünlandwirtschaft am Versuchszentrum Laimburg spricht im Interview über das Projekt und die Ergebnisse.

Das Interview

Herr Peratoner, Sie forschen für das Versuchszentrum Laimburg im Bereich der Berglandwirtschaft, wie hat sich diese in Südtirol im Laufe der letzten Jahrzehnte verändert?

Giovanni Peratoner, Fachbereichsleiter Berglandwirtschaft und Arbeitsgruppenleiter Grünlandwirtschaft am Versuchszentrum Laimburg.

Giovanni Peratoner: Durch den Klimawandel haben wir heute Klimabedingungen, die sich sehr schnell verändern und anders verhalten, wie wir sie aus der Vergangenheit kennen. So können zum Beispiel Wetterextreme, wie Trockenheit oder Starkregen, viel intensiver und unvorhersehbarer auftreten. Wir müssen unsere Berglandwirtschaft an dieses, sich ändernde Klima, anpassen und das kann aufgrund neuer, besser angepasster Sorten und durch die Kombination von mehreren geeigneten Arten in Saatgutmischungen erfolgen.

Was sind die aktuellen Herausforderungen und Zukunftsaussichten in der Berglandwirtschaft?
Die Berglandwirtschaft hat bestimmte Elemente, die sie charakterisieren: so zum Beispiel die Topografie: Hangneigung, Meereshöhe, Abgelegenheit usw. und diese Elemente stellen Einschränkungen für die Produktion (Menge, Kulturen, Arbeitszeitbedarf und Produktionskosten) dar. Dies ist die erste Herausforderung. Die zweite Herausforderung ist, dass die Grünlandwirtschaft ein multifunktionelles System darstellt, das wichtige Umweltleistungen für die ganze Bevölkerung generiert. Die verschiedenen Funktionen in Einklang zu bringen ist schwierig, weil sie nicht bei derselben Intensität der Bewirtschaftung (Düngung, Nutzungshäufigkeit) maximiert werden können. Eine dritte Herausforderung ist, die Rentabilität der Betriebe in diesem Kontext zu sichern.

Erst kürzlich wurde beim Expertenforum Berglandwirtschaft in Salern das internationale Projekt „LegacyNet” vorgestellt, an dem das Versuchszentrum Laimburg auch mitgewirkt hat. Können Sie uns einen Einblick in dieses Projekt geben?
Beim internationalen Projekt „LegacyNet” handelt es sich um ein freiwilliges Netzwerk, bei dem ein Versuch an sehr vielen Standorten wiederholt worden ist. Untersucht wurde, welche Effekte die Kombination von Futterpflanzen aus verschiedenen funktionellen Gruppen (Gräser, Leguminosen und Kräuter) liefern. Dabei wurde untersucht, welche Kombination den Futterertrag, die Futterqualität und die Unkrautunterdrückung verbessert. In einem nächsten Schritt wird beim Projekt dann auch darauf geachtet, welchen Effekt die Vorfrucht auf die Folgekultur hat. Wir haben als Folgekultur Winterroggen gewählt. Das Spezielle an „LegacyNet” ist, dass es an 26 verschiedenen Standorten und 15 verschiedenen Ländern stattfindet, wo ein gemäßigtes oder kontinentales Klima vorherrscht. Der Kern der Standorte befindet sich in Europa, aber es gibt auch Standorte in den USA, in Kanada, in China und in Neuseeland.
Es gibt zwar Unterschiede zwischen den Standorten, aber Effekte, die sich trotz dieser Unterschiede allgemein ergeben, stellen ein sehr solides Ergebnis dar. An jedem Standort ist mäßig und nach den landesüblichen Bedingungen gedüngt worden. Dazu haben wir in Parzellen mit einer Standardart in Reinsaat untersucht, was passiert, wenn mindestens doppelt so viel gedüngt wird.

Welche Institutionen haben sich am Projekt beteiligt und wie wird es finanziert?
Wie gesagt, 26 Partner sind freiwillig daran beteiligt. Das Trinity College und Teagasc in Irland sowie die Aarhus Universität Dänemark Koordinieren das Projekt. Unsere Hauptfinanzierungsquelle war der Aktionsplan 2016-2022 für die Forschung und Ausbildung in den Bereichen Berglandwirtschaft und Lebensmittelwissenschaften der Südtiroler Landesregierung.

Das Projekt „LegacyNet” wurde in 15 verschiedenen Ländern durchgeführt.

Im Rahmen dieses Forschungsprojektes wurde in Dietenheim (Bruneck) ein Feld als Versuchsstandort gewählt. Was wurde hier angebaut?
In Dietenheim wurden auf dem Versuchsfeld 72 Parzellen angelegt. An jedem Standort im Versuchsnetzwerk wurden zwei Gräser, zwei Leguminosen und zwei Kräuter angebaut. Bei den Gräsern und bei den Leguminosen haben wir Standardarten, welche in den in Südtirol empfohlenen Mischungen für den Futterbau sehr oft verwendet werden: Englisches Raigras (Lolium perenne) und Knaulgras (Dactylis glomerata) bei den Gräsern, Rotklee (Trifolium pratense) und Weißklee (Trifolium repens) bei den Leguminosen. Zudem haben wir auch zwei Kräuter eingesetzt, welche in unseren Saatgutmischungen bisher nicht verwendet werden und eine Neuigkeit darstellen: Futterzichorie (Cichorium intybus) und Spitzwegerich (Plantago lanceolata). In den verschiedenen Parzellen wurden Reinsaaten und verschiedene Kombinationen dieser Arten, bis zu Mischungen aller sechs Arten untersucht. Viermal pro Saison wurde geerntet und ausgewertet. Nach einer zweijährigen Grünlandphase haben wir auch die Auswirkungen dieser Saatgutmischungen auf eine Fruchtfolge mit Winterroggen beobachtet.

Welche Forschungsergebnisse konnte dieses Versuchsfeld in Dietenheim liefern?
Die Ergebnisse sind folgende: Das Mischen von verschiedenen funktionellen Gruppen bringt mehr als die Summe der Leistung einzelner Arten oder Artengruppen. So wird nämlich eine Synergie erzeugt. Das war für Gräser und Leguminosen bereits bekannt, aber die Zugabe von einem relativ kleinen Anteil an Kräutern – einer dritten Gruppe – bringt einen zusätzlichen Vorteil. Das haben wir über das ganze Netzwerk ganz deutlich erkennen können. Dann haben wir noch gesehen, dass der Effekt der Mischung von verschiedenen funktionellen Gruppen mit dem Anstieg der Jahrestemperatur größer wird. Da ja der Klimawandel höhere Temperaturen mit sich bringt, ist es ein möglicher Weg, um besser damit umgehen zu können. Zudem erbrachten diese Mischungen höhere Erträge als die stark gedüngte Reinsaat. Dies ist zudem ein wichtiges Ergebnis für unsere Zusammenstellung der Saatgutmischungen, wo wir versuchen immer eine größere Diversität zu erhalten.

Welche Gräser, Leguminosen und Kräuter sind denn besonders geeignet, den zukünftigen, klimatischen Herausforderungen standzuhalten?
Für unseren Versuch haben wir Arten mit ergänzenden Eigenschaften ausgewählt. Bei den Gräsern punktet das Englische Raigras durch die dichte Rasenbildung und die konstante, hohe Futterqualität, während Knaulgras mit Trockenheit besser klar kommt. Bei den Leguminosen, beide mit hoher Futterqualität, bildet Rotklee viel Masse, während Weißklee Lücken im Bestand besser schließen kann. Futterzichorie und Spitzwegerich zeigten in anderen Versuchen eine bessere Widerstandsfähigkeit gegen Dürre durch die tiefe Wurzelbildung. Aber, wie gesagt, es ist die Kombination dieser Arten mit verschiedenen Eigenschaften, die besonders gute Ergebnisse liefert.

Die Kombination von Futterpflanzen verschiedener botanischer Familien macht die Wiesen bei gleicher Düngung produktiver.

Werden solche Saatgutmischungen in der Südtiroler Landwirtschaft bereits eingesetzt?
Im Durchschnitt nutzen unsere Saatgutmischungen schon die Vorteile der Kombination verschiedener funktionellen Gruppen und Arten innerhalb dieser Gruppen. Die Saatgutmischungen für den Feldfutterbau enthalten bereits sechs Arten von Gräsern und Leguminosen im Durchschnitt. Was wir in unseren Saatgutmischungen noch nicht vorfinden, sind die Kräuter, die sich meistens spontan etablieren, aber in den Saatgutmischungen nicht gezielt eingeplant werden.
Wir müssen überlegen, wie wir unsere Forschungsergebnisse am besten in praxistauglichen Lösungen umsetzen können. Zum Beispiel, ob Saatgut der richtigen Sorten auf dem Markt verfügbar ist. Wir brauchen Sorten, die auf unsere klimatischen Bedingungen gut angepasst sind. Zuchtsorten von Futterzichorie (Cichorium intybus) und Spitzwegerich (Plantago lanceolata) kommen fast ausschließlich aus Neuseeland und wir brauchen winterfeste Sorten. Ein Forschungsgegenstand ist zudem, dass es wiederholt berichtet wurde, dass diese Kräuter über einen längeren Zeitraum nicht beständig sind. Für kurzlebige Feldfutterbaumischungen in einer Fruchtfolge mit Ackerbaukulturen ist eine Beständigkeit der Kräuter über längere Zeiten auch nicht so relevant, doch aber für das Dauergrünland. In Dietenheim untersuchen wir zurzeit in einem anderen Projekt was passiert, wenn diese Kräuter in Saatgutmischungen für die intensive Weidehaltung eingesetzt werden. Aus den Ergebnissen von „LegacyNet” bauen wir die nächsten Schritte für die Forschung aus.

An jedem Standort im Versuchsnetzwerk wurden zwei Gräser,
zwei Leguminosen und zwei Kräuter angebaut.

Wiesen und Weiden bilden die Futtergrundlage für die Haltung von Wiederkäuern im alpinen Raum und sind ein wesentlicher Bestandteil der lokalen Landschaft.

Beim Expertenforum diskutierten an die 50 Fachleute. Wie lautet ihr Resümee?
Das Expertenforum Berglandwirtschaft halten wir jährlich ab, um uns mit lokalen und internationalen Experten und Expertinnen, unseren Stakeholdern, auszutauschen und in kompakter Form unsere Projekte und Forschungsergebnisse vorzustellen und zu diskutieren. Zudem ist so ein Treffen auch ein Sammelbecken für Meinungen und Ideen für weitere Forschungen. Zu den Schwerpunkten des Expertenforums zählten dieses Jahr die Optimierung von Saatgutmischungen für den Futterbau, Innovationen für die Weidehaltung, die Erfassung von Futterertrag und -qualität durch multispektrale Messungen, Saatgutproduktion von Grünlandpflanzen und der Kräuteranbau sowie die Herausforderungen beim Schutz artenreichen Grünlands durch die landwirtschaftliche Bewirtschaftung.

Wie geht es mit dem Projekt „LegacyNet” nun weiter?
Es geht jetzt darum weitere Auswertungsrichtungen wie zum Beispiel die Futterqualität oder die Widerstandsfähigkeit gegen die Verunkrautung und die Auswirkungen auf die Leistungen der Folgekultur vorzunehmen.
TL