

Snowboarden war immer schon ein Ausdruck von Rebellion. Für Julian Niederkofler ist es nicht nur das, sondern auch ein Lebensgefühl und eine Liebe zugleich.
Es gibt diese Tage im Winter, da will eigentlich niemand raus ins Freie, geschweige denn auf die Skipisten. Wenn es windig ist und kalt, die Sicht schlecht und man ist gefühlt alleine auf den verwaisten Pisten. Für Julian Niederkofler können solche Tage die schönsten überhaupt sein. „Auch bei richtigem Sche..wetter kann snowboarden unglaublich viel Spaß machen, besonders mit den richtigen Leuten“, sagt er und offenbart dabei einen Wesenszug, der ihn, den 31jährigen Projektleiter aus Uttenheim, auszeichnet: Julian mag es, gegen Widerstände anzukämpfen.
Dieses Rebellische, diese Hartnäckigkeit waren entscheidend dafür, dass Julian heute ein ausgesprochen guter Snowboarder ist. „Es war in der Mittelschule, als ich beschloss, snowboarden zu lernen. Also hab‘ ich es meinem Vater gesagt“, erzählt er. „Der war nicht davon überzeugt. Für ihn war dieses ’neumodische‘ Snowboarden schlichtweg ein Blödsinn.“ Für Julian dagegen war es fortan eine Bestimmung. Er konnte sich nach einigen Diskussionen gegen seinen Vater durchsetzen und fing an, sich das ‚Surfen auf Schnee‘ in Eigenregie beizubringen.
Erfahrung weitergeben
Julians erste Versuche mit dem Snowboard liegen fast zwanzig Jahre zurück. Und aus seinem rebellischen Hobby von damals ist mittlerweile ein Lebensinhalt geworden, den er gerne an junge Fahrer weitergibt. „Ich bin viel im Snowpark am Kronplatz unterwegs. Dort wimmelt es von aufstrebenden Boardern und Freestyle-Skifahrern. Ich möchte diesen Nachwuchsfahrern Unterstützung anbieten und ihnen Tipps geben, wie sie sich weiterentwickeln können.“
Wenn Julian von seiner Arbeit mit diesen „jungen Wilden“ erzählt, dann geht es nicht zuletzt um das Überwinden von Hindernissen, um den Kampf gegen den inneren Schweinehund, der dich nach dem x-ten missglückten Sprungversuch weg von der Piste und ab nach Hause locken will. „Aufgeben ist tabu. Und jeder kleine Fortschritt ist wichtig und gehört gefeiert. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich sehe, dass jemand einen Schritt nach vorne macht, ganz egal, wie klein oder groß dieser auch sein mag“, sagt Julian. „Denn hinter jedem Erfolg steckt viel Einsatz, Willen und der Mut, wieder aufzustehen.“
Die jungen Fahrer oben am Kronplatz dürfen Julians Ratschlägen guten Gewissens folgen, denn er weiß, wovon er spricht. „Meine ersten Jahre auf dem Snowboard waren nicht leicht. Unterwegs mit lauter Skifahrern musste ich mir das Snowboarden quasi selbst beibringen“, sagt er. „Dabei war ich oft zu ungeduldig und bin übereifrig an schwierige Tricks herangegangen.“ Ein gebrochenes Schlüsselbein, gezerrte Bänder und einige andere Verletzungen geben Aufschluss über die Widerstände, die ihn vielleicht etwas bremsen, aber niemals ganz aufhalten konnten.
Bindung zu, Kopf auf
Wer jetzt glaubt, Julian sei ein verbissener ‚Arbeiter‘ auf dem Board, der täuscht sich. Denn die wirklich treibenden Kräfte hinter diesem ‚Stehaufmännchen‘ sind seine Liebe und Leidenschaft für diesen Sport. „Es ist wirklich so: in dem Moment, wo ich die Bindung meines Bretts schließe, die ersten Schwünge in den Schnee ziehe und die klare Luft am Berg einatme, vergesse ich die Sorgen des Alltags. In diesen Momenten lasse ich alle Lasten unten im Tal und bin einfach nur frei“, erzählt Julian. „Der ganze Berg, jede Kuppe, jede Kante – alles was mir auf und neben der Piste begegnet, ist wie eine Spielwiese für mich. Ich liebe es, zu snowboarden.“
Dieses Feuer, das in Julian seit nunmehr 18 Jahren brennt, möchte er an die nächste Generation weitergeben. „Es ist wichtig, dass man eigene Erfahrungen weitergibt und Möglichkeiten schafft, dass Nachwuchsfahrer diesen Sport und die damit verbundene Freiheit erleben können“ sagt er. „Es ist noch nicht lange her, da ging’ s dem Snowboard-Sport im Pustertal nicht besonders gut und die Boarder-Gemeinschaft war kurz davor, komplett auszusterben. Deshalb ist es so wichtig, dass wir das Feuer am Brennen halten. Egal ob der Club Vitamin F oder Thomas Hinteregger vom 25shop in Pfalzen – es waren und sind genau diese hartnäckigen, eingefleischten Fahrer, die Freestyle-Sportarten wie das Snowboarden im Pustertal hegen und pflegen und damit am Leben halten.“
RF
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