

Bruneck – Markus Zöggeler und seine Leidenschaft für den Schachclub Bruneck.
Wenn Markus Zöggeler über Schach spricht, dann spricht er nicht zuerst über Eröffnungen, Taktiken oder Elo-Zahlen. Er spricht über Menschen. Über Begegnungen und über Gemeinschaft. Der 32-Jährige aus Mühlbach ist erst seit 2024 Mitglied des Schachclubs Bruneck – und doch hat er entscheidend dazu beigetragen, dass der traditionsreiche Verein nach den stillen Corona-Jahren wieder aktiv geworden ist.

Volles Haus beim Jugend Grand Prix in der Brunecker Schulzone.
Dabei begann alles lange vor seiner Vereinszeit. Als Kind spielte Markus mit seinem Großvater Schach, später hin und wieder mit seinem Vater. Wirklich gepackt hat ihn das Spiel jedoch während der Covid-Pandemie. Damals arbeitete er in Innsbruck und suchte – wie viele andere – nach Möglichkeiten, trotz der Kontaktbeschränkungen mit Menschen in Verbindung zu bleiben. Online-Schach wurde zu seinem
Begleiter, dazu kamen gelegentliche Partien mit einem älteren Herrn in Innsbruck. „Das hat mich einfach inspiriert. Vor allem war es schön, während Corona mit Leuten in Kontakt zu kommen“, erzählt er.
Nägel mit Köpfen
Zurück in Südtirol spielte er regelmäßig mit einem ehemaligen Lehrer. Aus diesen Begegnungen entstand schließlich eine Idee, die ihn nicht mehr losließ: den Schachclub Bruneck wiederzubeleben. „Ich war hin- und hergerissen“, erinnert er sich zurück. „Sollte ich oder nicht? Es bedeutet viel Arbeit und Verantwortung einen Verein ordentlich zu führen. Aber ich bin ein Mensch, der Dinge entweder ganz oder gar nicht macht.“
Also hat er den Schritt gewagt und offensichtlich gute Arbeit geleistet. Denn heute zählt der Verein an die 30 aktive Mitglieder und wirkt so lebendig wie lange nicht mehr. Seit 2025 nimmt Bruneck wieder an den Südtiroler Mannschaftsmeisterschaften teil. Die erste Saison verlief erfolgreich, nun soll erstmals auch ein Jugendteam an den Start gehen. „Im letzten Jahr waren wir Erwachsene unter uns. Jetzt möchten wir den Jugendlichen eine Bühne geben“, sagt er.
Für Markus ist Schach überraschend klar ein Teamsport. „Man braucht ein Team, um Motivation zu haben – die Kameraden, den Trainer, den Austausch. Dadurch verbessert man sich und entwickelt ein echtes Teamgefühl.“ Wer an einem Vereinsabend in Bruneck vorbeischaut, merkt schnell, dass es dort nicht elitär zugeht. „Wir treffen uns in legerer Manier, wir fachsimpeln, spielen und reden miteinander. Jeder kann kommen – auch Anfänger.“
Gemeinsam Spielen
Gerade diese Offenheit macht für ihn den besonderen Charakter des Clubs aus. „Schach ist Gemeinschaft. Im Verein bekommt man ein Abbild der ganzen Gesellschaft: Junge und Alte, Neulinge und erfahrene Spieler.“ Tatsächlich besteht die Mitgliederstruktur nahezu zur Hälfte aus Jugendlichen zwischen acht und 18 Jahren, zur anderen Hälfte aus Erwachsenen. Nur eines fällt auf: Der Verein ist nach wie vor stark männerdominiert.
Der Einstieg ist bewusst unkompliziert gehalten. Interessierte können jederzeit vorbeikommen, sich alles erklären lassen und online Mitglied werden – für 20 Euro im Jahr. „Wir freuen uns über jeden, der zu uns kommt“, sagt Markus.
Auch sportlich hat Markus in kurzer Zeit beachtliche Fortschritte gemacht. Seine Elo-Zahl (Wertungszahl, welche die Spielstärke eines Schachspielers misst) nähert sich der Marke von 1.800 Punkten, womit er durchaus als fortgeschrittenen Vereinsspieler angesehen werden kann. „Ich glaube, dass ich in den nächsten Jahren noch einige Fortschritte machen kann“, sagt er, auch wenn sein Beruf als Handelsvertreter nicht unbegrenzt Zeit für Training lässt.
Sein eigentliches Ziel liegt ohnehin woanders. „Ich möchte den Verein so aufstellen, dass die nächste Generation Freude am Schach hat.“ Vielleicht ist genau das die stärkste Strategie des Schachclubs Bruneck: nicht nur gute Spieler hervorzubringen, sondern einen Ort zu schaffen, an dem Menschen aller Generationen miteinander ins Gespräch kommen – Zug für Zug.
RF