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Was passiert mit unseren Abwässern?

St. Lorenzen / Pustertal – Die Abwasserreinigungsanlage ARA Tobl in St. Lorenzen klärt die Abwässer von 14 Gemeinden im Pustertal. Wir sprachen mit dem Geschäftsführer Konrad Engl.
Herr Engl, erklären Sie uns bitte in einfachen Worten, wie eine Kläranlage funktioniert …
Konrad Engl: Das geschieht in mehreren Reinigungsstufen. Zu Beginn fängt ein Rechen grobe Gegenstände aus dem Wasser ab, im Sandfang sinken Sand und kleine Steine zu Boden. Im Vorklärbecken dann sickern feine Schmutzteilchen als Klärschlamm zu Boden. Anschließend erfolgt die biologische Reinigung, indem im Belebungsbecken Mikroorganismen durch Sauerstoffzufuhr gelöste, organische Verschmutzungen abbauen. Im Nachklärbecken trennt sich der belebte Schlamm vom gereinigten Wasser. Nach diesen Bearbeitungsstufen fließt das saubere Wasser in den Fluss. Der verbliebene Klärschlamm kommt in den Faulturm, wo durch thermische Behandlung Gas entsteht, mit dem wir Strom und Wärme für unsere Anlagen produzieren. Was dann an Schlamm noch übrig bleibt wird getrocknet und kommt in die Pyrolyseanlage, wo er bei hoher Hitze zu Asche verbrannt wird. Die daraus produzierte Wärme wird wiederum für die genannte Trocknung der Schlämme eingesetzt. Nach der Pyrolyse bleibt inertes Material als Asche übrig, veranschaulicht verbleiben von 100 LKWs Klärschlamm noch 6 LKWs Asche. Diese wird in eine Anlage nach Deutschland transportiert, wo sie zur Abdeckung von Mülldeponien aufbereitet wird.

Wohin gelangen die Abwässer aus dem Pustertal?
Das größte Klärwerk ist ARA Tobl in St. Lorenzen, wo die Abwässer der 14 Gemeinden Prettau, Ahrntal, Sand in Taufers, Mühlwald, Gais, Pfalzen, Bruneck, St. Lorenzen, Percha, Rasen, Olang, Enneberg, Wengen, St. Martin Thurn geklärt werden. Weitere Anlagen sind ARA Innichen-Sexten, Wasserfeld in Welsberg, Sompunt in Abtei und Unteres Pustertal in Mühlbach. Auf allen Anlagen im Pustertal werden ca. 13 Mio. m³ Abwässer pro Jahr behandelt, veranschaulicht sind das 1,5-mal das Volumen des Antholzer Sees.

Die ARA Tobl feiert heuer ihr 30-jähriges Bestehen …
Ja, die Inbetriebnahme erfolgte am 3. Juli 1996, seitdem bin ich auch der Geschäftsführer. Bis 2008 führte ich nur das Werk am Tobl, danach wurde mit dem Zusammenschuss der fünf Kläranlagen des Pustertals das optimale Einzugsgebiet Pustertal gegründet. Seitdem leite ich alle fünf Anlagen geschäftsführend. Abgesehen vom Tagesgeschäft bemühe ich mich um Erneuerungen: Jährlich fallen Investitionsprojekte im Wert von 3 Mio. Euro an, damit die Anlagen auf den neuesten Stand der Technik gehalten werden können. Mittlerweile ist ARA Tobl ein Vorzeigeprojekt, und uns besuchen Techniker aus ganz Europa, um unsere Anlage zu besichtigen.

Welche Optimierungen stehen im Raum?
Am Tobl plane ich eine Trocknungs- und thermische Verwertungsanlage für sämtliche Klärschlämme des Landes Südtirol, heutige Kostenschätzung 75 Mio. Euro – eine Investition in die Umwelt und Nachhaltigkeit. Ich bereite das Projekt vor, die Anlage umsetzen wird sie nach meiner Pensionierung der zukünftige Geschäftsführer; im Februar 2027 gehe ich nämlich in Pension. Vorschweben würde mir zudem eine Anlage, wo aus der Asche gelöste Nährstoffe wie Phosphor herausgefiltert werden, um den Phosphor als Düngemittel der Landwirtschaft zuzuführen. Leider ist ein Projekt dieser Größenordnung in Südtirol finanziell und operativ nicht umsetzbar.

Die ARA Tobl ist irgendwo „Ihr Kind“. Wie kamen Sie zu diesem Job?
Ich stamme aus Kematen in Taufers, wo mein Vater einen Tischlereibetrieb hatte und wo meine Brüder schon als Jugendliche mit eingebunden wurden. Ich hatte hierfür aber zwei linke Hände, weshalb mein Vater meinte, ich solle ein Studium aufnehmen. Nach der Matura begann ich in Innsbruck das Bauingenieurstudium für Siedlungswasserbau mit Spezialgebiet Kläranlagen. Ich fand die Thematik hoch interessant, und da Südtirol diesbezüglich noch braches Land war, sah ich darin Entwicklungspotential. Nach dem Studium wurde ich 1989 in Bruneck für die Projektierung einer Kläranlage in Hochabtei engagiert. Trotz einiger technischer Anfangsschwierigkeiten realisierte ich sofort, dass das mein Job ist. Er fasziniert mich bis zum heutigen Tag – auch wenn das Thema nicht gerade attraktiv erscheinen mag.

Womit können Sie sich von der Arbeit entspannen?
Joggen macht mir sehr viel Spaß, ich laufe dreimal wöchentlich. Auch nahm ich an mehreren Marathons teil und bin an gesamter Strecke mittlerweile einmal um den Planeten gelaufen. Im Sommer bin ich gerne auf Klettersteigen unterwegs. Ich brauche Sport als Ausgleich zu meiner Arbeit, dabei wird der Kopf frei und ich entwickle neue Ideen.

Nennen Sie uns Ihre Botschaft …
Die Welt wird regiert von Macht-, Finanz und Wirtschaftslobbys. Mein Lebensinhalt war stets, etwas zur Verbesserung des Lebens beizutragen im Sinne der Umwelt. Inzwischen zweifle ich, ob wir aufgrund der Umweltverschmutzung und des resultierenden Klimawandels, diesen Planeten noch retten können. Zwar wird die Erde als solche bestehen bleiben – der Mensch, wenn er so weitermacht, kann womöglich nicht überleben. Umso mehr sollten wir alles versuchen, um das Leben auf dem Globus zu erhalten. Jeder Einzelne kann jeden Tag etwas für den Schutz unserer Umwelt tun – denn aus vielem Kleinen wird ein Großes.
IB