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Für ein lebenswertes Abtei

Christian Pedevilla ist seit Mai letzten Jahres der neu gewählte Bürgermeister der Gemeinde Abtei. Neben seinem politischen Amt ist der 53-Jährige als Jurist tätig.

Herr Bürgermeister Pedevilla, was hat Sie bewogen, sich für das Amt zur Verfügung zu stellen?
Christian Pedevilla: In der letzten Verwaltungsperiode war ich Referent und für die halbe Amtszeit auch Vize-Bürgermeister unter Iaco Frenademetz. Nachdem dieser nicht mehr kandidierte, stellte ich mich der Wahl.

Was konnten Sie in der Zwischenzeit umsetzen?
In der letzten Periode wurden bereits mehrere Projekte begonnen wie der Bau eines Gehsteigs zwischen den Fraktionen Stern und St. Kassian, es sind im Frühjahr nur noch einige Adaptierungen vorzunehmen. Im Juni 2024 wurde die Sanierung der Grundschule Stern in Angriff genommen, welche letzten September abgeschlossen und über PNRR-Förderung des Nationalen Plans für Wiederaufbau und Resilienz unterstützt wurde. Ebenso in Stern vollzog sich der Abbruch und Wiederaufbau des Gebäudes, in dem innerhalb dieses Jahres ein Kindergarten, eine Kita sowie eine Mensa und Turnhalle für die Grundschule entstehen werden, genauso unterstützt durch PNRR-Gelder. In St. Leonhard entstand ein schöner Dorfplatz, es fehlen nur noch einige kleinere Arbeiten. Den Platz schmückt eine Skulptur des Künstlers Lois Anvidalfarei und ein Brunnen aus Granit und eine bronzene Tafel; der Platz ist nach Merch Dapunt (1923-1944) benannt, er widersetzte sich aus religiösen Gründen dem Nazi-Regime und wurde in Schlanders hingerichtet.

Was ist in an größeren Projekten geplant?
Die Provinz Bozen hat mit Olympia-Geldern die Straße zum Valparola-Pass saniert. Im Zuge dessen wurde eine Trinkwasserleitung nach St. Kassian verlegt. Da die Quelle in Buchenstein liegt, bedarf es noch der Wasserkonzession der Provinz Venetien bzw. des Baues eines letzten Teilstücks. Im Frühjahr beginnen wir mit der Sanierung und Vergrößerung des Vereinshauses in St. Leonhard, wo unsere Vereine neue Räume erhalten werden; hinzu kommt auch eine Mensa für die Grundschule sowie für Veranstaltungen. Ein großes Vorhaben steht mit dem Bau eines Schulzentrums für die Mittel- und Oberschule in Stern an, wo auch eine Musikschule für das Gadertal untergebracht werden wird; 2026 werden wir mit der Planung beginnen und voraussichtlich 2027 mit dem Bau. Letzten Herbst wurde der Zivilschutzplan genehmigt und wir bemühen uns aktuell um Schulungen im Bereich Zivilschutz. Für die Feuerwehren St. Leonhard und St. Kassian ist jeweils der Kauf eines Tanklöschfahrzeugs geplant. Laufende, kleinere Arbeiten an Straßen, Wegen und Trink- und Schmutzwasserleitungen sind ohnehin an der Tagesordnung.

Das Gadertal ist verkehrsmäßig stark belastet. Gibt es Konzepte?
Bei den Talstationen der großen Liftanlagen werden wir in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Eigentürmern versuchen, die Verkehrsregelung zu verbessern bzw. möglicherweise zusätzliche Kreisverkehre oder Tiefgaragen zu erstellen. Für eine Steuerung des Verkehrs auf den Valparola-Pass, der auch die Gebiete von Buchenstein und Cortina umfasst, möchten wir ein gemeinsames Konzept entwickeln.

Welche längerfristigen Vorhaben sind geplant?
Dem Hallenbad beim Schulzentrum in Stern, das mittlerweile ein halbes Jahrhundert alt ist, steht 2027 ein Abriss bevor. Wir sammeln Ideen, ob es als solches wieder errichtet werden soll oder ob ein größeres Erlebnisbad beim Fußballplatz bevorzugt wird, wo sowieso die Umkleidekabinen saniert werden müssen. Weiters sind wir bemüht, einen Radweg ab St. Lorenzen bis Corvara zu verwirklichen, auch im Sinne eines nachhaltigen Tourismus.

Der Tourismus ist ein wichtiges Standbein der Gemeinde …
Ja, er ist eine wichtige Säule, wovon ein Großteil der Bevölkerung profitiert. Bei einer Einwohnerzahl von rund 3.500 beherbergen wir zur Hochsaison über 30.000 Menschen, was der Verwaltung einer Kleinstadt gleichkommt mit sämtlichen Aufwendungen für Verkehr, Müll, Trink- und Abwasser usw. Eine vermehrte Herausforderung für die Betriebe ist auch, genügend Personal sowie deren Unterkünfte zu finden. Wir sind touristisch sicher im Grenzbereich angelangt, weshalb es jetzt gilt, dass bestehende Infrastrukturen erhalten bzw. nur erneuert werden und weitere Verbauungen zu vermeiden. Schließlich sind unsere einmalige Natur und Landschaft unser höchstes Gut.

Welche Projekte liegen Ihnen besonders am Herzen?
Ja, und zwar leistbares Wohnen zu ermöglichen, damit junge Leute und Familien bei uns Ihre Zukunft planen können. Es sollen neue Wohnbauzonen in Stern und St Leonhard ausgewiesen werden, welche teilweise mit Preisbindung vorgesehen sind.

Die Ladiner sind sehr bemüht, ihre Sprache und Kultur zu bewahren …
Als Bürgermeister ist es mir ein großes Anliegen, Initiativen zur Bewahrung unserer Traditionen und Identität zu stärken. Die rund 80 ehrenamtlichen Vereine und Verbände in der Gemeinde Abtei leisten hier Hervorragendes, sei es in kultureller, sozialer und sportlicher Hinsicht. Unsere Sprache und Kultur sind der Grundstein des gesellschaftlichen Zusammenhaltes für uns Ladiner und für unsere Zukunft.
IB