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Südtirols Visionen gehen um die Welt

Vom regionalen Buchtitel zum internationalen Debattenbeitrag: Der Verein NOIland Südtirol-Sudtirolo setzt mit der englischen Übersetzung
seines Weißwerks „Kann Südtirol Staat?“ ein starkes Zeichen.

Was als sachliche Analyse der Südtiroler Eigenstaatlichkeit begann, hat nun das europäische Parkett in Brüssel erreicht und lädt Experten weltweit ein, über die Zukunft und Alternativmodelle kleiner Regionen nachzudenken.
Südtirol und die Frage nach der Souveränität – ein Thema, das in den letzten Jahren wieder massiv Fahrt aufgenommen hat. Mittendrin steht der Verein NOIland Südtirol-Sudtirolo, der mit seinem Weißbuch „Kann Südtirol Staat?” eine Lücke in der politischen Literatur geschlossen hat. Vor allem auch deshalb, weil die Herangehensweise an das Thema Selbstbestimmung diesmal eine völlig neue ist: Ging es bisher oft um emotionale Debatten, liefert das Werk auf über 100 Seiten faktenbasierte Antworten zu Rechtswesen, Wirtschaft und internationaler Anerkennung eines potenziellen Kleinstaates Südtirol. “Uns ging es um die Versachlichung des sonst in Südtirol emotional aufgeladenen Themas der Autonomie bzw. Eigenstaatlichkeit”, sagen Harald Mair und Marco Manfrini, Präsident und Vize-Präsident von NOIland Südtirol-Sudtirolo. Dass dieses Buch nun unter dem Titel „South Tyrol and the Question of Statehood in Europe“ in englischer Sprache vorliegt und kürzlich in Brüssel präsentiert wurde, markiert einen Meilenstein nicht nur für den Verein selbst, sondern für die gesamte Südtiroler Ideenwelt.

Englische Ausgabe von „Kann Südtirol Staat?“ vorgestellt
Für den Verein Noiland Südtirol-Sudtirolo, der für das Buchprojekt verantwortlich zeichnet, war die Buchvorstellung der englischen Ausgabe von „Kann Südtirol Staat?“ in Brüssel ein weiterer wichtiger Schritt und großer Erfolg. Gemeinsam mit der Coppieters-Stiftung aus Brüssel, die vom EU-Parlament finanziert wird und sämtliche Übersetzungskosten übernommen hat, wurde vor kurzem im vollbesetzten Repräsentationssaal der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino die englische Ausgabe von „Kann Südtirol Staat?“ vorgestellt. „Wir sind überzeugt, dass eine offene Diskussion ebenso wichtig wie notwendig ist. Eine Gesellschaft, die nicht den Mut hat, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, den Status quo zu hinterfragen und Neues zu wagen, verarmt intellektuell und gedanklich“, sind sich die 16 Autorinnen und Autoren einig. Adelheid Mayr, Fabian Haas, Karin Meister, Marco Manfrini und Harald Mair boten in Vertretung der 16 Autorinnen und Autoren einen Streifzug durch das Buch und seine Schwerpunkte. „Eigentlich war es von Anfang an unser Ziel, das Buch ins Englische zu übersetzen, da wir glauben, dass es wichtig ist, nicht nur im kleinen Rahmen, sondern auch über die Grenzen hinaus diese wichtigen Themen Demokratie, Selbstbestimmung, Europa der Zukunft zu diskutieren”, so Marco Manfrini, „und damit der Austausch mit anderen Ländern weltweit möglich ist, war die Übersetzung ein echter Meilenstein, den es zu erreichen galt.” Und der Austausch ist bereits voll im Gang, gerade auch deshalb, weil Südtirol mit seiner Geschichte und Mehrsprachigkeit für andere Länder und Regionen sehr interessant sein dürfte. „Der Austausch mit so vielen Menschen aus ganz Europa hat uns deutlich vor Augen geführt, dass Autonomie- und Unabhängigkeitsbestrebungen viel weiter verbreitet sind, als man gemeinhin denkt. Vielerorts wünschen sich die Menschen eine Stärkung der regionalen Parlamente und Regierungen. Die derzeitigen Grenzen werden oft als undemokratische Zwangszugehörigkeit empfunden, die im vereinten Europa überwunden werden kann und soll“, betont Manfrini. Nach den Buchvorstellungen im Südtiroler Landtag, im österreichischen Parlament in Wien, an der Eurac Research in Bozen, im Bayerischen Landtag und bei über 60 Veranstaltungen in ganz Südtirol zeigte sich auch die Hörerinnen- und Hörerschaft in der EU-Hauptstadt vom Projekt und der sachlichen Herangehensweise begeistert.

Ein Verein als Denkfabrik für die Unabhängigkeit
Der Verein NOIland versteht sich als überparteiliche Plattform und Denkfabrik. Das Ziel ist klar definiert: Die Erarbeitung fundierter Grundlagen für ein unabhängiges Südtirol. Dabei geht es den Köpfen hinter dem Projekt – darunter Persönlichkeiten wie Sigmund Kripp, Karin Meister, Harald Mair, Matthias Scantamburlo, Wolfgang Niederhofer und Oliver Hopfgartner – darum, die Grenzen der aktuellen Autonomie aufzuzeigen und alternative Szenarien für eine „Südtiroler Willensgemeinschaft“ zu entwerfen. „Zu glauben, dass alles gleich bleibt, wenn sich nichts verändert, ist ein Trugschluss; wer Zukunft gestalten will, muss Veränderung wagen und über den Tellerrand hinausblicken”, sagt Marco Manfrini. Für NOIland ist das Weißbuch deshalb das Herzstück der Vereinsarbeit. Es dient als Beleg dafür, dass die Idee der Eigenstaatlichkeit keine reine Utopie, sondern ein rechtlich und wirtschaftlich durchspielbares Modell ist. Die Autoren möchten damit zum Nachdenken anregen und eine breite gesellschaftliche Diskussion über die Möglichkeiten und Grenzen von Regionen, aber auch des eigenen Denkens anstoßen.

Internationaler Dialog statt regionaler Kirchturmpolitik
FFür den Verein NOIand war die Übersetzung des Buches „Kann Südtirol Staat?“ die logische Konsequenz aus dem wachsenden internationalen Interesse. Die Unterstützung durch die europäische Coppieters-Stiftung unterstreicht, dass Südtirols Bestrebungen im Kontext mit anderen europäischen Regionen wie Katalonien oder Schottland gesehen werden. Mit der englischen Fassung will NOIland die Debatte aus dem rein lokalen Kontext lösen und Experten auf EU-Ebene sowie in internationalen Organisationen erreichen. Die Botschaft ist deutlich: Südtirol ist bereit für einen professionellen Diskurs über Souveränität, der weit über die Grenzen des Brenners hinaus Gehör finden soll. Die Übersetzung ist somit nicht nur ein Service für internationale Leser, sondern ein diplomatisches Werkzeug, um Südtirols Zukunftsvisionen auf die globale Landkarte zu setzen.
SH