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Die Erlsbachalm in Defreggen

Pustertal / Osttirol – Die Almen im hinteren Defereggen (von Erlsbach bis Affental) gehören mit einer Ausnahme alle Pusterern Bauern. Der Brunecker Historiker mit Ahrntaler Wurzeln, Gebhard Kirchler, erforscht seit längerem detailliert die Geschichten der Almen, so auch zur Erlsbachalm.

Gebhard Kirchler

Haymo von Grebmer, Bauer, Hotelier und ehemaliger Brunecker Bürgermeister, hat die Erlsbachalm 1971 gekauft. Die Alm war aber, so verweist Kirchler in seiner historischen Forschung, auch schon in früheren Zeiten, mit Unterbrechungen, im Besitz von Pustertaler Bauern.
Die Almhütte liegt auf 2.183 Metern Meereshöhe über dem Weiler Erlsbach in der Gemeinde St. Jakob in Defereggen. Sie war für Mensch und Vieh nur über einen steilen Pfad zu erreichen, wobei gut 600 Höhenmeter zu überwinden waren. Heute gäbe es einen bequemeren Zugang von der Seespitzhütte aus in dieses Almtal. Senner und Hirten berichteten, dass das Hochtal ein ausnahmsweise gutes und reiches Weidegras hatte. Inzwischen ist die Alm seit 50 Jahren nicht mehr bestoßen, weswegen die Hänge und Anger heute versteinigt sind, denn das „Weide putzen“, das früher gang und gäbe war, ist ausgeblieben. Die Almgebäude (Kaser und Ställe) sind verfallen, eine kleine Jagdhütte bietet den Jägern einen notdürftigen Schutz und zeugt gleichzeitig vom Wert den die Alm für die heutigen Besitzer hat, nämlich das mit der Alm verbundene Jagdrecht.

Schafalm der Ahornacher Bauern
1863 kaufen 14 Ahornacher Bauern von Johann Berger, Kottersteger in St. Johann, die Erlsbachalpe und verständigen sich auch gleich auf eine Weideordnung. Laut dieser hat die Alpe „den ausschließlichen Zweck, die Weidebedürfnisse für die Höfe der weideberechtigten Güter zu decken“.
Insgesamt durften nicht mehr als 300 Schafe und Lämmer auf die Weide aufgetrieben werden, wobei diese nach einem genau festgelegten Schlüssel unten den 14 Bauern („Mererleiter“, „Oberpichler“, „Lempfrecher“, „Niederleiter“, „Bachmair“, „Obergasteiger“, „Untergasteiger“, „Stoker“, „Zulechner“, „Wieser“, „Nögler“, „Eder“, „Pitzer“, „Mittermair Zuhäusler“, „Obermoosmair“ und dem Hirten selbst) aufgeteilt wurden.
Vierzehn Tage nach der Sonnenwende fand gemäß der Weideordnung der Auftrieb und um Micheli (29. September) herum der Abtrieb statt.
Die Hut (Weide-Aufsicht) wurde alljährlich versteigert oder unter der Hand übertragen und sämtliche Kosten zum Betrieb der Alm im Verhältnis der aufgetriebenen Schafe verteilt.

Von 1795 bis heute
In seinem Bericht konnte Kirchler sämtliche Besitzer der Alm seit 1795 erforschen.
1795: Isidor Ladstetter in Erlsbach verkauft für sich selbst und im Namen seines Bruders Jakob und der Vettern Thomas und Christian, an Joseph Meßner in Antholz und an Jakob Ortner aus St. Veit in Defereggen die Alm, wovon die Verkäufer „¾ Teil schon vorher von ihren Vorältern erbweis innegehabt haben“.
Den 4. Alpenanteil aber „ist von Simon Kleinlercher erhandelt worden“, bei welchem auch die sogenannte Putzweide enthalten ist, auf der 5 Stück Rinder und 40 Schafe den Sommer über gehalten werden können. (Die Putzweide liegt am orographisch rechten Ufer des Erlsbaches).

1819: Joseph Meßners Sohn Michael verkauft Joseph Pichler, Glögglwirt zu Lienz die halbe Erlsbacher Alpe. Die andere Hälfte erwirbt er 1826 aus der Unterkircher-und Christian Unterreinerschen Realitäten-Versteigerung, „worin auch eine sonderbare Weide, Putzen genannt, begriffen ist“.

1828: Joseph Pichler überlässt die gesamte Erlsbachalpe seiner Gattin Anna Pichler, geb. Engl, sie sie an Thomas Paßler, Wirt zu St. Veit, verkauft.

1838: Thomas Paßler wiederum verkauft sie dem Johann Stemberger, Sonnwirt in Bruneck, und dem Joseph Raich, Oberwieser zu Reischach, „zur ungetheilten Hand“.

1843: Joseph Raich verkauft seinen Anteil an der Erlsbachalpe dem Johann Stemberger, der somit Alleineigentümer der Alm wird und sie im gleichen Jahr an Stephan Berger, Mittermair in Ahornach, verkauft. Dieser überlässt die Alm seinem Sohn Johann Berger, der Kottersteger in St. Johann in Ahrn ist. „Diese Alpe ist frey und luteigen, die Putzweide aber ist dem Frauenkloster Lienz mit Freystift unterworfen, dafür zinst man jährlich einen Stiftkreuzer und acht Pfund Kas.“ (luteigen = frei von Grundherrschaft. Freistift= dem Grundherrn war es erlaubt, den Bauern jährlich „abzustiften“, d.h. das Lehen zu kündigen. Bei einem Wechsel des Pächters war die sogenannte „Ehrung“ zu entrichten.)

1863: Johann Berger, Kottersteger in Ahrn, verkauft 14 Ahornacher Bauern die Erlsbachalpe. Sie nutzen sie 50 Jahre lang hauptsächlich als Schafalm.

1907 scheinen folgende Ahornacher Bauern als Almbesitzer auf: Lempfrecher (38 von 290 Anteilen), Mitternöckler (19/290), Stocker (37/290), Kröpfler (19/290), Untergasteiger (30/290), Zulechner (18/290), Niederleiter (29/290), Oberabmer (8/290), Bachmair (27/290), Obermoosmair (8/290), Wieser (21/290), Trakofler in Kematen (32/290), Pizer (9/290).

1914: erwirbt Johann Prenn, Huter in Niederrasen, 228 der 290 Anteile der ganzen Liegenschaft; später kauft er noch eine weitere Grundparzelle dazu.

1924: Johann Prenn verkauft die Alm an Josef und Alois Kronbichler, Tschoggler in Reischach. Sie bleibt im Besitz des Tschogglerhofes, bis sie

1971: der Bauer und Gastwirt Haymo von Grebmer in Bruneck erwirbt.

Neben der Erforschung der Geschichte der Erlsbachalm hat Gebhard Kirchler an Broschüren über die Jagdhaus- und die Seebachalm maßgeblich mitgewirkt.
MT