

Antholz – Manchmal hat auch das Wetter seine miesen Tage und vergraut uns Wanderern den Himmel. Vergraulen sollten wir uns davon aber nicht lassen, bieten doch wolkendichte Tage ebenso einen außergewöhnlichen Reiz, ein intensives Spüren der Natur. Es gilt dabei, den spaßbremsenden inneren Schweinehund zu killen und trotzdem aufzubrechen. Solche Bilder bleiben einem oft sogar mehr in Erinnerung, als von Touren mit Traumwetter. 
Rötliches Gestein
Das Gestein der Villgratener Berge, zu denen die Rote Wand zählt, besteht vorwiegend aus altkristallinen Gesteinen wie Glimmerschiefern und Gneisen. Die Rote Wand hingegen durchzieht rötliches Kalkgestein, welches dem Berg seinen Namen gab. Der rötliche Farbton entsteht durch eisenhaltige Verbindungen und Verwitterungsprozessen von Kalk- und Dolomitgesteinen, bei denen Tonminerale und Eisenoxide freigesetzt werden. Tektonisch gesehen liegt das Gebiet südlich des Hauptkamms der Hohen Tauern im Bereich des alpidischen Grundgebirges, das von metamorphen Gesteinen geprägt ist. Darunter versteht man Gesteine, die durch die Umwandlung von bereits vorhandenen Gesteinen im festen Zustand tief im Erdinnern entstanden sind.
Der Staller Sattel
Der Staller Sattel (2.052 m) verbindet das Südtiroler Antholzer Tal mit dem Osttiroler Defereggental. Seit 1920 verläuft hier die Grenze zwischen Italien und Österreich, als nämlich nach dem 1. Weltkrieg bei den politischen Verhandlungen in Saint-Germain dies vertraglich festgesetzt wurde. In der Nähe des Passes fanden Archäologen Geräte aus Feuerstein und Bergkristall, welche in das 8. Jahrtausend v. Chr. datiert werden. Der Übergang über das Joch soll aber bereits in der Mittelsteinzeit (vor ca. 10.000 Jahren) genutzt worden sein. Interessant ist auch der Fund eines Einbaums im Obersee (2.016 m) nördlich des Staller Sattels im Jahr 1999. Das Boot ist etwa 1.000 Jahre alt und gilt als der höchstgelegene Schiffsfund Europas. Seit 1048 war der Obersee zusammen mit dem umliegenden Wald im Besitz des Hochstiftes Brixen, das die Gegend roden ließ und mehrere Jäger und Fischer beschäftigte. Bis ins 19. Jahrhundert war die Fischerei am Obersee von Bedeutung.
Los geht’s!
Ausgangspunkt ist der Staller Sattel (Anfahrt vom Antholzer See mit Ampelregelung nur von der 30. bis zu 45. Minute jeder Stunde). Direkt am Sattel (einige Parkmöglichkeiten) folgen wir rechts ab der Markierung Nr. 7. In angenehmer Steigung geht es dem Staller Bach entlang durch das schöne Agsttal. Wir gelangen in ein weites Hochalmgebiet und durchqueren dieses, indem wir ab 2.440 m ca. dem Weg rechtsabbiegend folgen. In mehreren Steilstufen geht’s nun dem hohen Ziel zu. Das letzte Stück zum Gipfel kann bei Nässe rutschig sein und führt durch steiniges Gelände. Nach etwa 2 ½ Stunden ab dem Pass stehen wir beim Gipfelkreuz (2.818 m). Von der Roten Wand aus scheinen die mächtigeren Brüder der Rieserferner zum Greifen nah. Ein Schauspiel, das dieser anspruchsvolle Zustieg ermöglicht, bei dem gute Kondition, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich sind.
Der Rückweg führt am Aufstiegsweg in ca. 2 Std zurück zum Ausgangspunkt. Da das Gelände sonnenexponiert ist, empfiehlt sich ein früher Start.
IB