

SEXTEN – Das historische Helmhaus an der österreichisch-italienischen Grenze auf Sextner Gemeindegebiet ist baufällig und wird saniert werden. Wie die neue Schutzhütte aber in Zukunft genutzt werden soll, darüber gibt es unterschiedliche Überzeugungen bei der Sextner Gemeindeverwaltung und dem Alpenverein Südtirol.
Auf dem markanten Helm, mit dem der Karnische Hauptkamm im Westen beginnt, befindet sich auf 2434 Höhenmetern das Helmhaus. Erbaut als Schutzhütte im Jahre 1891 von der Alpenvereinssektion Sillian, ist das geschichtsträchtige Bauwerk inzwischen stark in die Jahre gekommen. „Zur Zeit ist das stark beschädigte Helmhaus geschlossen. Das Haus befand sich immer schon auf Sextner Gemeindegebiet, aber erst im Jahre 2014 ist es auch in den Besitz der Gemeinde übergegangen. Zur Zeit des Faschismus war die Schutzhütte ja zu einem guten Preis dem Österreichischen Alpenverein abgekauft worden. Von Italien wurde das Eigentum dann an das Land Südtirol übertragen, und dieses hatte das Helmhaus schließlich versteigert. Sexten hatte natürlich das Vorkaufsrecht, und so haben wir das Helmhaus vor drei Jahren zum Preis von 125.000 Euro erworben. Nun sind wir dabei, die Schutzhütte zu sanieren und beabsichtigen eine touristische Nutzung mit etwa 20 internen Gästeplätzen und 20 Plätzen im Freien“, erzählt Fritz Egarter, Bürgermeister der Gemeinde Sexten.
AVS IST ANDERER MEINUNG
Sowohl der Alpenverein Südtirol (AVS) als auch der Österreichische Alpenverein (ÖAV) sehen in der kommerziellen Nutzung des Helmhauses die Abkehr von einer längst überfälligen historischen Aufarbeitung. Die Gemeinnützigkeit sollte Voraussetzung sein. „Die Hütte war an die Gemeinde Sexten übergeben worden, unter der Bedingung, sie für gemeinnützige Zwecke zu nutzen und die Alpenvereine in die weitere Planung einzubinden. Daraufhin begann die Zusammenarbeit mit ÖAV und AVS für das Projekt ‚Offenes Helmhaus‘. Die sanierungsbedürftige Hütte am heutigen ‚Friedensweg‘ sollte zu einem kleinen Museum umgebaut werden und als Treffpunkt den Alpenvereinen in Ost- und Südtirol zur Verfügung stehen. Die Gemeinde Sexten hatte 2006 dem damaligen Landeshauptmann sogar schriftlich zugesichert, das von den Alpenvereinen ausgearbeitete Konzept umzusetzen – gemeinsam mit AVS und ÖAV. Von einer Einbindung der betroffenen Vereine und der ausständigen Wiedergutmachung am Grenzkamm ist heute jedoch keine Rede mehr“, hört man von Seiten des AVS. „Das Helmhaus darf nicht kommerziell ausgeschlachtet werden, sondern muss zu einer wichtigen Station am Friedensweg weiterentwickelt werden: Einem Ort der Begegnung von drei Gemeinden, zwei Ländern und den Alpenvereinen, einem Mahnmal, das zur Auseinandersetzung mit der Geschichte einlädt“, ist Georg Simeoni, Präsident des AVS, überzeugt.
GEMEINDE VERWUNDERT
„Von den Plänen des AVS, der den Bau eines Euregio-Hauses gemeinsam mit dem ÖAV lanciert, über die Medien zu erfahren, hat uns verwundert“, gesteht Bürgermeister Egarter. „Das Helmhaus ist im Besitz der Gemeinde Sexten. Bis heute hat sich der AVS noch nicht an uns gewandt, sondern verhandelt einfach über fremdes Eigentum.“ (SP)