

St. Johann in Ahrn – Die Schützenkompanie St. Johann in Ahrn hat vor kurzem dafür gesorgt, dass ein fast vergessener Brauch ins Dorfzentrum zurückkehren konnte: Die historische Turmratsche wurde nach Jahrzehnten des Stillstands wieder zum Leben erweckt und ersetzte heuer erstmals wieder das Glockengeläut während der Kartage..
Einmal mehr hat sie sich als Hüterin der Tradition erwiesen, die Schützenkompanie St. Johann in Ahrn. Es war ein echtes Herzensprojekt, das sie sich für dieses Frühjahr vorgenommen hatte, nämlich die Wiederbelebung eines jahrhundertealten Osterbrauchs. Erstmals seit Jahrzehnten war im Kirchturm der barocken Pfarrkirche zum Hl. Johannes dem Täufer wieder jene traditionelle Ratsche zu hören, die dort früher als fester Bestandteil der Osterliturgie galt. Mit diesem Schritt setzte die Kompanie ein starkes Zeichen für gelebte Heimatpflege und kulturelle Kontinuität. „Die Ratsche ist weit mehr als ein Instrument. Sie ist ein Stück Dorfgeschichte – ein Klang, der Generationen verbunden hat“, erklärt Hauptmann Christian Steger. „Dass sie heuer wieder erklingen konnte, zeigt: Tradition atmet, wenn wir ihr bewusst Raum geben.“ So hat die Ratsche wie anno dazumal in der Karwoche eine ganz besondere Rolle übernommen: Sobald die Kirchenglocken ab Gründonnerstag erstummt waren, erinnerte der raue, hölzerne Ratschen-Klang an die Ernsthaftigkeit dieser Tage. Für manche ältere Dorfbewohner war es ein vertrauter Ton aus ihrer Kindheit – für die Jüngeren ein neues, beinahe mystisches Erlebnis, das sie mit der Geschichte ihres Dorfes verbindet. „Für einige im Dorf war es ein Moment der Erinnerung – für die Jugend ein Moment des Staunens”, so Steger. Letztendlich sind es genau solche Momente, die lebendige Tradition entstehen lassen.
Dem Zahn der Zeit getrotzt
Die alte Turmratsche war trotz des langen Nichtgebrauchs so gut wie unbeschädigt, der Zahn der Zeit hat das urige Instrument offensichtlich verschont. „Lediglich ein einziger der Zähne, die die Hämmer in Bewegung setzen, musste ausgetauscht werden”, erzählt Christian Steger. Eine kleine Ausbesserungsarbeit, die Josef Gasteiger und Heinrich Gruber ohne Zögern in Angriff genommen haben – und zwar mit demselben Ehrgeiz, mit dem sie sich später auch der Betätigung der Ratsche widmeten. Vorab haben sich die beiden Rentner genaustens über die Zeiten informiert, wann die Ratsche zu hören sein sollte und übernahmen seit der erfolgreichen Instandsetzung den ehrenamtlichen Dienst im Turm. Darüber hinaus haben sich Josef Gasteiger und Heinrich Gruber sogar überlegt, fürs nächste Jahr eine zweite Turmratsche zu bauen, um ihr Knattern gleich in zwei Himmelrichtungen senden zu können. „Schließlich sollen auch die Familien taleinwärts die Ratschen zu hören bekommen”, sagten sie sich. „Der Bau einer zweiten Ratsche ist besonders auch anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Schützenkompanie St. Johann in Ahrn eine durchaus passende Geste”, meint der Schützenhauptmann, der sich über so viel Engagement freut. „Und wer weiß, vielleicht können wir diesen Brauch ja nicht nur beleben, sondern nochmal weiter ausdehnen, denn die sogenannten “Schlegilan” der Ministranten wären auch noch in Sakristei vorhanden und einsatzbereit.”
Tradition weit hörbar
Das „Ratschen“ ist also weit mehr als nur Lärmerzeugung; es ist ein identitätsstiftendes Ritual, das Generationen verbindet und den Rhythmus der Karwoche vorgibt. Mit der neuerlichen Inbetriebnahme der alten Turmratsche hat die Schützenkompanie St. Johann in Ahrn ein deutliches Zeichen für den Erhalt der lokalen Identität gesetzt und hat dafür gesorgt, dass wertvolles Kulturgut nicht auf dem Dachboden der Geschichte verstaubt, sondern wieder einen festen Platz im Dorfleben findet. Die Kompanie sieht in der Wiederbelebung des Brauchs somit nicht nur eine Rückkehr zu alten Formen, sondern einen bewussten Schritt in die Zukunft: Tradition soll nicht museal wirken, sondern spürbar, hörbar und erlebbar bleiben. Genaugenommen ist diese jüngste Aktion der Schützenkompanie Teil eines größeren, weit umfassenden Engagements, historische Elemente des Dorflebens sichtbar zu machen und sie in die Gegenwart zu tragen. Der Klang der Ratsche soll daher nicht nur heuer, sondern auch in den kommenden Jahren fixer Bestandteil der Osterzeit in St. Johann in Ahrn bleiben – als Zeichen dafür, dass kulturelles Erbe dann weiterlebt, wenn Menschen es weitertragen.
SH