Feier: 80 Jahre Pariser Vertrag
21. September 2026
Was passiert mit unseren Abwässern?
21. September 2026
Alle anzeigen

Aufmarsch gegen neue E-Werke

Sand in Taufers – „Kein neues Kraftwerk!“ stand auf einem der Spruchtafeln der Demonstranten am 20. Juli am Rathausplatz von Sand in Taufers. Etwa 150 Tauferer wollten im Rahmen eines geplanten stillen Protestes ihre Ablehnung gegen gleich fünf E-Werk-Projekte an der Ahr kundtun. Still – wie angekündigt – war der Protest dann nicht, denn ziemlich lautstark taten sie ihren Unmut kund. Die Projekte selbst wurden bei der Protestkundgebung nicht erklärt, sondern anschließend bei einer Ratssitzung in der Gemeinde vorgestellt. Auslöser der Kontroverse ist, dass die Konzession der derzeitigen E-Werk St. Moritzen Historische Konsortial GmbH im Jahr 2028 ausläuft. Die Gesellschaft möchte das bestehende E-Werk, das sich inmitten eines Wohngebietes befindet, sanieren, während die Projekte der Trading & Service GmbH sowie der Bauzaun GmbH durch verlängerte Rohrleitungen die Produktionsleistung steigern würden. Anders gelagert sind die Projekte von Alperia Greenpower GmbH und von Alex Trenker, welche Druckrohrleitungen durch Stollen im Berghang ostseitig des Dorfes vorsehen mit wesentlich erhöhter Stromproduktion von bis zum dreifachen des bestehenden E-Werkes. „Die Gemeinde steht Großprojekten in sensiblen und bewohnten Gebieten grundsätzlich kritisch gegenüber“, sagt Bürgermeister Josef Nöckler. „Der Schutz der Bevölkerung, der Anwohner, unserer Gewässer und unseres Lebensraumes bleibt ein zentrales Anliegen. Aus diesem Grund lehnt die Gemeindeverwaltung sämtliche vorgestellte Kraftwerksprojekte ab. Dies gilt auch für das derzeitig bestehende Kraftwerk in St. Moritzen. Kein Kraftwerk sollte sich innerhalb einer Wohnbausiedlung bzw. im Dorf befinden. Eine Neuvergabe wird wohl durch das Land erfolgen, über den Zuschlag entscheidet somit nicht die Gemeinde, sondern die zuständigen Landesämter in Bozen.“ Fakt ist, dass der Strombedarf wegen zunehmender Digitalisierung, Automatisierung, E-Mobilität und Zunahme der Bevölkerung bzw. der Touristen enorm steigt. „Flüsse sind keine Steckdose!“ stand ebenso auf einem Demo-Plakat. Im Vergleich zu Atomkraftwerken zählt die Energieproduktion durch Wasserkraft umwelttechnisch gesehen allerdings immer noch zu den saubersten, während andererseits Windkraftanlagen auf Anhöhen und mit Photovoltaik zugeglaste Fluren das Landschaftsbild beeinträchtigen. Bis zu einem Entscheid wird wohl noch viel Wasser die Ahr hinunterfließen …
IB