Editorial

das gesamte Pustertal diskutiert zurzeit über Sicherheit und Freiheit. Grundbedürfnisse, auf die viele von uns sehr sensibel reagieren sollten sie eingeschränkt oder in irgendeiner Form verletzt werden. Wir möchten uns sicher fühlen, aber nicht beobachtet werden. Ein Anspruch, der die heutige Gesellschaft vor große Herausforderungen stellt.
Wenn auch unbewusst geben wir zahlreiche Informationen über unsere Person in den sozialen Netzwerken preis, indem wir einfach nur online sind. Was wir dabei vielfach vergessen ist, dass die ganze Welt uns dabei beobachten kann und sich unsere Daten zunutze macht. Als Privatperson kann man natürlich selbst darüber entscheiden, wie viel und welche Informationen man von sich selbst verraten möchte.
Einen Richtungswechsel erfährt diese Debatte, wenn die öffentliche Hand über unsere Daten bestimmt. Vor dieser Situation stehen jetzt auch die Pustertaler und Gadertaler Bürgermeister. Beim jüngsten Ratstreffen der Bezirksgemeinschaft Pustertal wurde über weniger Verbrechen durch mehr Überwachung diskutiert. Wie dieser Balanceakt gelingen soll, haben die 26 Gemeinden anhand einer in den letzten zwei Jahren ausgearbeiteten Strategie erfahren und sind nun aufgerufen zu reagieren. Dieses System sieht vor, dass jedes Fahrzeug, das das Gemeindegebiet – bei Tag oder Nacht – durchquert, aufgezeichnet wird und unterschiedliche Daten dazu liefert. Bis zum 31. August haben die Bürgermeister nun Zeit für ihre Gemeinde die Anzahl an Überwachungskameras verbindlich zu definieren. Keine leichte Sache wie sich bereits im Rahmen der Sitzung herausstellte: Einerseits funktioniert das Überwachungssystem besser, wenn das Netz der Überwachungskameras dicht angelegt wird, andererseits erhöhen sich dadurch auch die Kosten für die jeweilige Gemeinde.
Schenkt man internationalen Studien Glauben sind Überwachungskameras im Zuge von Aufklärungen zu Verbrechen nützlich, aber präventiv bringen sie wenig. Außerdem sind laut ASTAT-Erhebungen in den letzten Jahren die angezeigten Straftaten in Südtirol um über sieben Prozent zurückgegangen. Umso mehr verwundert es, dass es bei der “gefühlten Sicherheit“ entgegengesetzt aussieht: Laut Erhebungen fühlt sich die Südtiroler Bevölkerung zunehmend unsicherer. Da frage ich mich, ob dieses Gefühl von einer Kamera mehr oder weniger gesteuert werden kann?

Herzlich
Ihre Tanja Leitner – redaktion@puschtra.it

16. Februar 2017

Liebe Leserin, lieber Leser,

das gesamte Pustertal diskutiert zurzeit über Sicherheit und Freiheit. Grundbedürfnisse, auf die viele von uns sehr sensibel reagieren sollten sie eingeschränkt oder in irgendeiner Form verletzt […]