Editorial

der Tod eines Neugeborenen in Lana und ein fünffacher Mord in Kitzbühel sind die jüngsten Beispiele von Nachrichten, die mich in den letzten Wochen erschreckt haben. Warum passieren solche schrecklichen Dinge? Was geht bei so einer Tat in uns Menschen vor? Genau diese Fragen drängen sich dann in den Vordergrund unseres Lebens und machen uns wieder bewusst, dass nicht nur unser Körper, sondern auch unser Geist unser Menschsein ausmacht.
Die WHO schätzt, dass die Depression 2020 die zweitwichtigste, 2030 sogar die wichtigste Krankheit weltweit sein wird. Der Bedarf nach psychiatrischer, psychologischer und psychotherapeutischer Betreuung und Behandlung wächst! Gerade deshalb ist es wichtig, auf den vergangenen 10. Oktober, den Welttag der psychischen Gesundheit zu erinnern.

Die Sprecher des „Netzwerks psychischer Gesundheit Südtirol“ Roger Pycha, Leiter der Psychiatrie in Brixen, und Josef Pichler, Leiter Psychologischer Dienst in Meran, machen durch Studien darauf aufmerksam: 1/3 aller Menschen machen im Lauf ihres Lebens die Erfahrung einer behandlungsbedürftigen psychischen Störung. Wittchen hat 1997 in einer deutschen städtischen Gegend im Laufe eines Jahres 15 Prozent der erwachsenen Bevölkerung mit Angststörungen, 14 Prozent mit Depressionen und elf Prozent mit psychosomatischen Störungen vorgefunden. 2012 wurden in ganz Europa praktisch identische Ergebnisse erzielt. Bei Depressionen muss man davon ausgehen, dass in jedem Augenblick in Westeuropa fünf Prozent der Gesamtbevölkerung daran leiden, das entspricht 25.000 Menschen in Südtirol.

Laut der Beobachtungsstelle für Gesundheit wurden 2018 genau 10.249 Südtiroler an den Zentren Psychischer Gesundheit psychiatrisch behandelt, das entspricht 2,5 Prozent der erwachsenen Bevölkerung. 2018 sind 2.958 psychiatrische Krankenhausaufnahmen erfolgt, wobei in 26 Prozent der Fälle die häufigste Diagnose „Depression oder andere affektive Störung“ gestellt wurde. 1.360 Personen waren 2018 bei den Diensten für Abhängigkeitserkrankungen in Behandlung, und das Therapiezentrum Bad Bachgart tätigte im selben Jahr 383 Aufnahmen. 2018 sank die Zahl der Suizide in Südtirol auf den niedrigsten Wert von 36 Opfern – ein Ansporn zum Fortsetzen der intensiven und gezielten Hilfe, die man bei psychischen Krankheiten und Krisen im Lande erfahren kann.
Es gibt aber durchaus noch Einiges zu tun: Vorurteile abzubauen, Behandlungen besser zu erklären, Experten zu schulen und Betroffene sowie die Bevölkerung gezielter zu erreichen sind die beiden Leiter überzeugt. Meinen Dank für ihre wertvolle Arbeit zum Wohle der Gesellschaft und meine Unterstützung haben sie!

Herzlich
Ihre Tanja Leitner – redaktion@puschtra.it

16. Februar 2017

Liebe Leserin, lieber Leser,

der Tod eines Neugeborenen in Lana und ein fünffacher Mord in Kitzbühel sind die jüngsten Beispiele von Nachrichten, die mich in den letzten Wochen erschreckt haben. […]